Als ob der Monsoon höchstselbst meinen Blog gelesen hätte, zeigte er seit vergangener Woche, was in ihm steckt, dass er sogar in Delhi mehr kann, als nur ab und zu mal ein bissel vorbeizuschauen. Fast täglich prasselte es vom Himmel, manchmal ganz ordentlich und oft mit Donner kombiniert.
So auch an unserem Umzugstag. Endlich sollte es aus dem zweiten Übergangsdomizil in eine eigene Wohnung gehen. Schon bevor meine Augen an jenem Morgen richtig geöffnet waren, hörte ich trotz Ventilatoren und AC das Prasseln des Regens vor dem Fenster. Es war kräftig. Sogar so kräftig, dass in Delhi viele Strassen überflutet waren.
Gesperrte Straβen bedeuten in einer 20-Millionen-Stadt enorm viel Stau. Starkregen und Stau, beides etwas, das man beim Umzug nicht braucht. Aber es ging alles besser als gedacht. Naja, es war ja auch eher ein Miniumzug. Alles passte in ein Uber XL und schwups waren wir umgezogen.
Aber wo ich erneut beim Thema Monsoon bin, habe ich gleich noch ein paar andere Anekdoten zu diesem Thema parat.
So waren meine Familie und ich von auβerhalb auf dem Weg zurück nach Delhi. Mit dem OLA-Taxi ging es über den Highway zurück, als plötzlich der Regen einsetzte. Und mit plötzlich meine ich wirklich plötzlich, so als habe einer die Schleusentore geöffnet und schon rauschte es los.
Was ich allerdings sah, als wir dieses Nadelör des Highways erreicht hatten, überraschte mich so sehr, dass mir erst staunend der Mund offen stand und ich dann halblaut vor mich hin lachen musste. Die Enge befand sich genau unter einer Autobahnbrücke. Und dort, unter dieser Brücke, hatten sich mehrere hundert Motorrad-, Moped- oder Vespafahrer untergestellt, um vor dem Monsoonregen geschützt zu sein. Verständlich. Doch damit blockierten sie einfach mal zwei Spuren des Highways. In Deutschland: UNDENKBAR! Hier: Monsoon-Alltag!

Ich habe noch weitere Anekdötchen zum Thema Monsoon im Gepäck. Und die nächste lieβe sich mit der Überschrift “Augen auf bei der Fahrzeugwahl!” überschreiben.
Eigentlich liebe ich es mit einem sogenannten Tuck-Tuck, dem typisch indisch grün-gelben Gefährt, durch die Straβen Delhis zu düsen, also eher: mich düsen zu lassen, wenn nur nicht immer die Luft so schlecht wäre. Trotzdem sitze ich manchmal darin. Ich habe so das Gefühl, viel näher am Ort des Geschehens zu sein und auβerdem mag ich die luftige Brise, die durch das nahezu komplett offene Gefährt weht.

An einem Morgen, mein Mann und ich mussten schnell von A nach B kommen und kein Taxi war zu erreichen, bestiegen wir ebenfalls ein solches Tuck-Tuck, nachdem wir einen für uns annehmbaren Preis erhandelt hatten. “Puh, gut!”, dachten wir. “Das war ja genau rechtzeitig.” Denn just in diesem Moment begann es zu schütten. Was wir allerdings in jener Sekunde nicht bedacht hatten, war, dass dieses Gefährt ja rundherum offen war. Somit regnete es von beiden Seiten hinein. Mein Mann und ich, wir rutschten immer dichter aneinander auf der kleinen Rückbank und schützten uns, so gut es möglich war. Das ging auch eine Weile gut…dann allerdings fuhren wir auf einer unebenen Straβe, auf der sich schon viele Pfützen gefüllt hatten. Plötzlich überholte uns ein groβes, dickes Auto und mein Verhängnis wurde die tiefe Pfütze, durch die dieses Auto gerade dann fuhr, als es neben uns war. Das Ergebnis: Ich war halbseitig klatschnass! “Okay”, dachte ich. “Beim nächsten Regen kein Tuck-Tuck!”
Eine dritte und für heute letzte Anekdote zum Thema Monsoon betrifft unseren Kühlschrankkauf. Erneut waren mein Mann und ich gemeinsam unterwegs, hatten gerade die Kinder in der Schule abgegeben und starteten durch. Das Wetter war gut, naja, eigentlich wie immer, grau verhangener Himmel und sehr warm.
Nachdem wir erst einmal durch Google fehlgeleitet wurden, brachte uns ein Taxi an einen Ort, von dem wir sicher wuβten: Dort gibt es Kühlschränke und diese nicht nur in einem, sondern in mehreren Läden.

Im ersten Laden erhielten wir eine ausführliche Beratung, allerdings erschienen uns die Preise als ein bissel zu hoch gegriffen und wir wollten uns noch weiter umschauen. Als wir dann aber auf die Straβe treten wollten, hatte uns der Monsoon ein Schnippchen geschlagen. Es schüttete, was vom Himmel runterkommen konnte. Und wir hatten – natürlich – keinen Schirm dabei. Da es nicht aufhören wollte in Strömen zu regen, hopsten wir schnell in den nächsten Laden, der auch gleich ein weiterer Elektroladen war. Die Kühlschränke überzeugten uns auf den ersten Blick nur mäβig und somit warteten wir im Eingangsbereich darauf, dass der Regen nachlassen würde. Aber das mit dem Aufhören sah der Regen ganz anders als wir. Es prasselte und prasselte vom Himmel, ohne dass man ein Ende absehen konnte. Wir kamen ins Gespräch mit dem Ladeninhaber und tauschten uns über Politik, Hindi, Indien und Deutschland aus. Obwohl das Gespräch nun schon fast eine Stunde andauerte, veränderte sich der Anblick vor der Tür kein biβchen.

Ich schlich erneut um die Kühlschränke herum und dachte: “Dieser silbrig graue dort, der ist vielleicht doch nicht so schlecht.” Als dann der Ladeninhaber uns auch noch preislich entgegen kam, dann war, schwups, der Kühlschrank gekauft und die Lieferung organisiert.
Hinterher fragten mein Mann und ich uns: “Hätten wir den Kühlschrank auch gekauft, wenn es nicht so lange so doll geschüttet hätte?” Wer weiss… Bisher sind wir zufrieden. Weiter haben wir etwas aus diesem Erlebnis gelernt: Immer, also wirklich immer, während der Monsoonzeit einen Regenschirm dabei haben. Auch dann, wenn der Himmel sich von seiner allerfriedlichsten Seite zeigt. In Sekunden kann alles anders sein.
Beim nachsten Mal werde ich ein regenfreies Thema finden. Versprochen. Und jetzt schlieβe ich mit einem herzlichen ‘Namaste’!