Eine Sache, bei der man sich hier in Indien auf alle Fälle umstellen muss, ist das Einkaufen. Wenn man Lebensmittel in Deutschland einkaufen will, dann fährt man zu A*d* und nebenan ist dann oft noch ein R*W*, oder so ähnlich, für die etwas besonderen

Artikel und dann ist man für eine Woche versorgt. Mit allem. Mit Lebensmitteln, Badezimmerartikeln, Waschmittel, Putzzeug und was man sonst noch so zum Leben benötigt. Und man kann sich im Vorfeld sicher sein, dass man nahezu alles kriegt. So nicht hier in Indien. Hier geht man zu einem ‘Market’. “DDA-Market” oder “C-Block-Market” oder so ähnlich heiβen sie. Wenn man sich darunter aber einen Supermarkt vorstellt, dann hat man da ganz falsche Vorstellungen. Bei einem solchen “Market” handelt es sich um einen Platz, an dem sich verschiedene kleine Lädchen anhäufen. Um welche Lädchen es sich bei dem Market um die Ecke handelt, muss man selbst herauskriegen. Es kann sich dabei um Lädchen handeln, die Lebensmittel haben, oder Haushaltsutensilien anpreisen oder aber auch nur Gemüse oder nur Obst, oder es handelt sich um einen Milchladen, der verschiedene Milchprodukte hat. Es kann aber genausogut eine Anhäufung von Handwerkerläden sein. Das ist dann “Alles bei O*I…” auf indisch.

Somit setzt sich jeder dieser “Markets” ganz individuell zusammen und man muss genau wissen, was man wo finden kann. Dieses heraus zu finden, das kann ganz spannend und aufregend sein, es braucht aber auch Zeit. Es gilt, sich von jedem Lädchen einen eigenen Eindruck zu machen: “Was bekomme ich wo?”. Und dann muss man natürlich, um alles für den “Wocheneinkauf’ zusammenzukriegen, von Lädchen zu Lädchen huschen. Erst dann hat man alles beisammen.

Es ist aber auch möglich, dass man etwas in einem Laden nicht sieht, es gibt jenes aber trotzdem. Übersichtlichkeit ist nicht unbedingt die Stärke dieser Läden. Auβerdem sind die Läden allesamt eher klein. Damit man sich das ein bisschen vorstellen kann: die Gröβe reicht von Badezimmergröβe bis hin zu Tante-Emma-Laden-Gröβe. Gröβer und übersichtlicher ist’s nicht, selbst in der gehobenen Klasse nicht.
So war ich kürzlich in einem ‘schicken’ Haushaltswarenladen, in dem waren alle Artikel bis unter die Decke gestapelt und gehäuft. Es gab nur zwei kleine Trampelpfade durch den Laden und aneinander vorbeikommen, wenn sich mehrere Kunden im Laden bewegen wollten, würde an anderer Stelle als teambildende Maβnahme zur Übung erklärt.
In diesem Laden fragte ich also nach dem ein oder anderen und nie hörte ich ein “Nein, das haben wir nicht.” Immer gab es die Antwort: “Moment!” Und schon wurde unter den hohen Türmen gewühlt und irgendwo aus einem Versteck mein Wunsch herausgezaubert. In diesem Laden war es einfach für mich, denn dort wurde gut Englisch gesprochen. Weiterhin eine Herausforderung ist es für mich, in den kleinen Läden um die Ecke das zu bekommen, das zu finden, was ich suche. Mein Hindi ist da noch sehr ausbaufähig. Und manchmal finde ich es auch anstrengend, mit Gebärdensprachen, deuten und zeigen von Laden zu Laden zu schlurfen, um meine Einkäufe zusammen zu kriegen. Dann wünsche ich mir meinen guten alten deutschen Supermarkt herbei, durch den ich mit meinem Einkaufwagen düsen kann und nach 20-30 Minuten habe ich alles, was ich brauche. In der Ferne lernt man halt manchmal das zu schätzen, was man zu Hause als zu alltäglich kaum noch wahrnimmt. Zumindest nicht mehr als etwas Besonderes ansieht.
Aber wie so oft im Leben ist das Einkaufen nicht nur anstrengend oder weckt nur Sehnsucht, nein, zu schätzen gelernt habe ich hier z.B., den Bringservice. Kauft man eine gewisse Menge ein, dann erhält man eine Lieferung nach Hause inklusive. Das macht den Einkauf wieder recht angenehm.
Es gilt also zu schätzen, was man hat, was man vorfindet, statt nach dem vermeintlich Fehlenden zu sehnen …
Für heute ein herzliches ‘Namaste’ und bis bald!
PS: Sollte noch mehr Interesse an Einkaufserfahrungen in Indien bestehen, dann kann ich den Podcast des NDR „Die Korrespondenten – Neu Delhi“ vom 29.08.2018 mit dem Titel „Einkaufen auf indische Art“ empfehlen.
https://www.ndr.de/info/podcast4384.html – Viel Freude beim Lauschen!