Mango-Zeit … fast vorbei

Namaste aus Delhi! Heute geht es mal gar nicht, oder zumindest fast nicht um Corona. Heute soll es um die Nationalfrucht Indiens gehen, um die Königin der Früchte: die Mango.

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Während man in Deutschland auf den ersten Spargel wartet oder es gar nicht erwarten kann, dass das Erdbeerfeld zum Selbstpflücken öffnet, so kann man in Indien nicht erwarten, dass die Mango-Zeit (mango season) endlich beginnt. Ein Freund von uns sagte: „Endlich sind die Mangos reif. Ich bin glücklich!“ Und auch ein Zitat aus einem Brief des bedeutenden Urdu-Poeten Mirza Asadullah Khan Ghalib kann verdeutlichen, wie groß die Liebe der Inder ihrer Nationalfrucht gegenüber ist.

Not only am I a slave to my stomach I am a weak person as well. I desire that my table be adorned and that my soul be comforted. The wise ones know that both of these cravings can be satisfied by mangoes.” (Nicht nur bin ich ein Sklave meines Bauches, ich bin auch eine schwache Person. Ich wünsche mir, dass mein Tisch reichlich gedeckt sei und dass meine Seele umsorgt werde. Die Weisen wissen, dass beide diese Verlangen mit Mangos gestillt werden können.)

Mango ist DIE Frucht Indiens. Sie ist überall und allgegenwärtig, wenn Mango-Saison ist. Wusstet Ihr, dass es über 500 verschiedene Sorten Mangos gibt? Ich wusste das nicht, nicht bis ich mich auf diesen Blog-Eintrag vorbereitet habe. Ich war schon zuvor in diesem Jahr überrascht worden, dass jedes Mal, wenn wir Mangos beim Lieferservice bestellt hatten, die Mangos anders aussahen. Mal eher grünlich-gelb, das nächste Mal tiefgelb bis orange, dann wiederum kamen Mangos an, die leicht rosa bis grünlich schattiert waren. Wir Mango-Laien haben einfach immer nur Mangos bestellt, um dann jedes Mal überrascht zu werden – nicht nur vom Aussehen der Mangos, nein, auch geschmacklich und von der Konsistenz waren die gelieferten Mangos meist unterschiedlich. Für viele Inder ist die Alphonso-Mango die beste unter den verehrten Früchten.

Diese Frucht ist hier von so großer Wichtigkeit, dass viele Familien regelrecht sparen, um eine Kiste gefüllt mit Mangos an ihre Lieben in der ganzen Welt verschicken zu können. Das Verschicken per Flugzeug, damit die Früchte auch ja genießbar am Bestimmungsort eintreffen, kostet eine indische Familie ein kleines Vermögen.

Nun neigt sich die Mango-Saison aber bei uns so langsam ihrem Ende entgegen. In anderen Teilen Indiens ist sie schon seit Wochen zu Ende. Die Mango-Saison beginnt nämlich nicht in ganz Indien zur gleichen Zeit, sondern sie startet im Süden Indiens etwa im März und dauert dort bis etwa Ende Mai. So wie auch der Monsun aus südwestlicher Richtung sich allmählich nach Nordosten über den Subkontinent vorarbeitet, so verläuft die Mangozeit in gleicher Regionenabfolge, nur dem Monsun vorgeordnet. Es ist nämlich so, dass die regenreiche Phase des Monsuns die Mango-Saison beendet.

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Die 25 bedeutensten Mangoproduzenten weltweit in 2018 (in Tonnen)                                             Quelle: ihsmarkit.com

Die Ernte der Mangos benötigt eine gewisse Erfahrung. Mit einem langen Stock werden die Früchte an dem zum Teil 40 Meter hohen Bäumen abgepflückt.

IMG-20200707-WA0026Dabei ist es wichtig, selbst auf die Entfernung die Reife der Früchte erkennen zu können. Ist sie nämlich zu früh gepflückt, dann kann sie nicht nachreifen. Indien ist für mehr als die Hälfte der weltweiten Mangoernte und -vermarktung verantwortlich. Aus diesem Grund traf der Lockdown aufgrund der Coronapandemie gerade in Südindien die Landwirte hart. Mitten in der Haupterntezeit fielen Erntearbeiter weg und die Transportwege waren erschwert bis versperrt. Es konnten nicht so viele Früchte ins Ausland geliefert werden. Vor allem die Golfstaaten erfreuen sich gerne der indischen Mango. Viele Früchte blieben in Indien, wodurch der Preis abstürzte.

Aber wir hatten und haben noch immer viele Mangos zum Essen. Bei uns in Delhi beginnt erst allmählich der Monsun und die letzten Mangos werden noch geerntet.

Was kann man denn mit Mangos alles Leckeres zaubern? Natürlich kann man sie einfach als Frucht genießen. Ihr Fruchtfleisch lässt sich aber auch trocknen und kann dann als sehr nahrhafter, süßer Snack genossen werden, was sich auch als schönes 20200721_203141Mitbringsel nach Deutschland eignet. Aus dem Fruchtfleisch kann auch ein leckeres Chutney oder Mangomarmelade selbst gemacht werden. Das haben wir ausprobiert: superlecker! Mmmmh!  Darüber hinaus dient der Mangokern, wenn er getrocknet und gerieben wird, als Gewürz. In unserer Familie aber hat sich der Mango-Lassi als mit Abstand beliebteste Verwendung etabliert. Mango-Lassi ist ein wunderbar frisches Getränk für die heißen Tage Indiens, aber sicher auch lecker, wenn es in Deutschland oder den USA so richtig warm wird.

Hier das Rezept zum Ausprobieren:mango-lassi-3856051_1920

250 g  purer Joghurt

125 g  Milch

250 g reife Mango  (man kann auch Mangopüree verwenden – das bekommt man sicher im nächsten Asiashop oder in gut sortierten Läden)

4 Teelöffel Honig oder Zucker (je nach Geschmack mehr oder weniger…ist natürlich auch abhängig von der Süße der Frucht selbst)

Eine Prise frischgemahlener Kardamom (Kardamom ist natürlich Geschmack sache. Bei uns in der Familie trifft Kardamom nicht bei allen auf Gefallen.)

Und nach Wunsch kann man noch Eiswürfel hinzufügen.

Alles zusammen kommt in den Mixer und wird 1-2 Minuten kräftig durchgemixt und schon ist er fertig: der erfrischende Sommerdrink mit einem Hauch von Indien!

Lasst es Euch gut schmecken!

Und für alle, die gerne noch eine Galileo-Sendung zum Thema Inder und ihre Liebe zu Mangos sehen möchte, für die verlinke ich hier noch ein YouTube-Video.

Galileo – Darum sind die Inder so verrückt nach Mango

Thank you, M. und R., for your support with amazing pictures! ❤

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