Als “Auge” eines Wirbelsturms bezeichnet man das nahezu windstille Zentrum. Und so fühlt es sich für uns gerade an: ruhig, während um uns herum der COVID-19-Wirbelsturm wütet. Immer etwas Sorge im Hinterkopf: Was ist, wenn der Wirbelsturm sich bewegt und uns mitzieht? Denn dass er alles mitreißt, was er in die Fänge kriegt, das können wir sowohl in allen Medienkanälen, aber vor allem auch in unserem unmittelbaren Umfeld sehen. Leid, Kummer, Sorge, Angst, wohin wir schauen.
Die offiziellen Zahlen Corona-positiv-Getesteter stehen aktuell bei täglich etwa 400.000 Neuinfizierten. Der deutsche Botschafter in Indien, Herr Lindner, sagte gestern in einem Interview mit heute.de, es erscheine, als ob sich bei dieser Zahl eine Art Plateau auf hohem Niveau einstelle. Ich weiß nicht, ob ich da mitgehen kann. Unter indischen Wissenschaftlern wird stark diskutiert, dass die Testrate weiter sinkt, und vermutet, dass die offiziellen Zahlen weit unter den eigentlichen Werten liegen. Darüber hinaus wütete der Corona-Sturm bislang vor allem in den großen Städten wie Mumbai, Neu Delhi, Pune, Bengaluru, Chennai …aber nun beginnt er, sich auf das platte Land hinauszubewegen. Und während in Neu Delhi das Gesundheitssystem zusammengestürzt ist, muss ich etwas zynisch sagen: Hier gab es immerhin ein System, das einstürzen konnte. Die ländlichen Regionen Indiens verfügen oftmals über gar kein System. Somit bleiben viele Kranke ungetestet, undokumentiert, unbehandelt und viele Toten verbrennen am Ende still in ihrem Scheiterhaufen, ohne dass sie in irgendeine Zählung eingegangen wären. Zurück bleiben die Trauer, die Wut, die Hilflosigkeit, ungesehen von der Welt, der Statistik, den wissenschaftlichen Berechnungen, den politischen Verantwortlichen.

Still ist es auch in unserem Viertel im Süden Delhis. Es ist ein kleines Viertel ohne Krankenhäuser, ohne Krematorien. Die tagtäglichen, lebensbedrohlichen Sorgen sehen wir also nicht vom Fenster aus. Wir sehen nur ausgestorbene Straßen. Da in Delhi seit drei Wochen eine strikte Ausgangssperre gilt, verlassen wir unsere Wohnung nur, um uns bei unserem Milchmann mit Milch und Joghurt oder uns bei unseren Obst- und Gemüsehändlern mit frischen Nahrungsmitteln zu versorgen. Anders als in Deutschland heißt hier in Indien der Lockdown nicht umsonst so. Nur mit Ausnahmen darf man auf den Straßen unterwegs sein. Selbst die Parks sind versperrt, so dass man sich auch dort nicht die Füße vertreten kann. Von daher verschafft der Weg zum Milchmann oder zum Obsthändler eine willkommene Abwechslung zu den eigenen vier Wänden. Alles weitere, also Lebensmittel und was man sonst so zum Leben braucht, können wir per Anruf oder per WhatsApp-Nachricht bei unserem Ecklädchen ordern und bekommen es kurze Zeit später kontaktlos zugestellt. Wir haben uns dazu entschlossen, weiter unsere Eckläden sowie die „fliegenden Händler“ in unserer Nähe mit unseren Einkäufen zu beehren, statt z.B. auf einen großen online-Versand aus den USA zurückzugreifen. Denn für die einfachsten Leute in der indischen Gesellschaft ist diese Pandemie doch am schwersten. Zwar gebe ich Herrn Lindner, dem deutschen Botschafter, recht, dass das Virus nicht Halt macht vor den Berühmten, den Mächtigen, den Supersportlern… aber die einfachen Menschen sind dennoch einem viel höheren Risiko ausgesetzt. Ihre Arbeit ermöglicht kein Homeoffice. Sie können sich nicht in ihr Zuhause zurückziehen. Denn das bedeutet: Keine Arbeit, kein Geld.

(Das Wort ‚Wallah‘ ist Hindi für Typ / Kerl.)

Und da sind wir schon bei einem weiteren Faktor neben dem Lockdown, warum es in unserem Viertel so ruhig ist. Noch vor vier Wochen war es bei uns draußen mächtig laut. Drei große Baustellen sorgten dafür.


Aber viele der gewöhnlichen Arbeiter haben bei der Verkündung eines möglichen Lockdowns, der dann ja auch eintrat, fluchtartig die Stadt verlassen. Zu deutlich haben die Tagelöhner, die einfachen Arbeiter, aber auch die Bügler, Schneider, Straßenschuster, fahrenden Obst- und Gemüsehändler den großen Lockdown Indiens während der ersten COVID19-Welle im vergangenen Jahr noch vor Augen. Von einem Tag auf den anderen – oder vielmehr: innerhalb von vier Stunden – machte Indien Ende März 2020 das ganze Land dicht. Es herrschte eine nationale Ausgangssperre in einem Land mit fast doppelt so vielen Einwohnern wie ganz Europa. Nur um das Nötigste zu kaufen, etwa Lebensmittel, medizinische und Hygieneartikel, durfte das Haus verlassen werden. Dies wurde von Militär und Polizei strikt kontrolliert.
Was hat ein solch strikter Lockdown zur Folge? Viele Menschen, wie oben aufgezählt, also Tagelöhner, Gelegenheits- und Wanderarbeiter, waren innerhalb von vier Stunden ihrer Existenzgrundlage beraubt. Sie konnten nicht mehr arbeiten, also bekamen sie kein Geld, und somit konnten sie keine Lebensmittel mehr einkaufen. Dieser plötzliche komplette Lockdown führte direkt in eine große, humanitäre Katastrophe. Wir reden hier nämlich von vielen Millionen Menschen, die das betraf.


Und was taten diese Menschen? Sie machten sich zu Fuß auf den Weg nach Hause zu ihren Familien, meist in ländliche, oft ärmliche Verhältnisse, in der Hoffnung, auf dem Land leichter etwas Essbares zu finden, mit der Familie das Bisschen zu teilen, was es dort gibt, statt in den Großstädten gar nichts zu haben. Zu Fuß nach Hause zu ziehen im April-Mai in Indien heißt, viele tausende Kilometer mit Flip-Flops oder gar barfuß bei über 40°C unter brennender Sonne mit wenig oder keinem Geld zurückzulegen, nichts zu essen und nichts zu trinken dabei zu haben, von Polizei und Militär gestoppt, festgehalten vielleicht sogar misshandelt zu werden. Kurzum: Das Bild dieses Exodus war herzzerreißend. Das Leid war riesig und viele Menschen sind auf dieser Stadtflucht verstorben.


Warum hole ich so weit aus? Weil diese Tragödien und Bilder des vergangenen Jahres ein Teil der Erklärung sind (zu den anderen schreibe ich an anderer Stelle), warum Indien jetzt so zögerlich war und noch immer ist, erneut einen nationalen Lockdown zu verhängen. Selbst wenn die Coronazahlen durch die Decke gehen.
Verschiedene Bundesstaaten haben eine Ausgangssperre ausgerufen. In Delhi hangelt man sich von Woche zu Woche. Gerade wurde die Ausgangssperre um eine weitere Woche verlängert. Das ist auch weiter bitter nötig. Das Gesundheitssystem ist weiterhin am Anschlag und Sauerstoff ist noch immer Mangelware. Die Angst zu erkranken ist riesengroß. Denn eines weiß jeder genau, an COVID19 zu erkranken, kann derzeit ein Todesurteil bedeuten.
Diese Gewissheit poppt auf in meinen WhatsApp-Gruppen, wenn wieder einmal in großer Not gefragt wird: „Mein Vater ist an COVID erkrankt, braucht dringend O2. Weiß jemand, wo wir in Ghaziabad (eine Stadt vor den Toren Delhis) einen gefüllten Zylinder bekommen können?“ Oder „Wir sind im Norden der Stadt auf der Suche nach einem KH-Bett. Weiß jemand, welches KH noch Patienten aufnimmt?“
Die traurige Wahrheit begegnet uns aber auch, wenn etwa unser Fahrer uns berichtet, dass er in den vergangenen zehn Tagen fünf seiner Freunde aus der Nachbarschaft verloren hat, oder wenn wir auf Twitter lesen, dass bislang 43 Lehrende einer muslimischen Universität in Delhi an dem Virus verstorben sind.
Das macht unendlich traurig und ist auch ein Zeichen, dass sich der Wirbelsturm noch nicht beruhigt hat und sich wohl auch nicht so schnell beruhigen wird. Die Hoffnung auf ein Wunder bleibt.
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Der folgende Link führt zu dem erwähnten Interview mit Herrn Lindner, dem deutschen Botschafter in Indien:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-indien-botschafter-lindner-interview-100.html
Der nächste Link führt zu einem interessanten Podcast, der die aktuelle Problemlage Indiens in differenzierter Weise bespricht:
https://www.zeit.de/politik/2021-04/indien-corona-krise-jan-ross-politikpodcast








the mangoes with a long stick, for mango trees can grow up to 40 meters tall. It is very important that they know how to determine whether a fruit is ripe enough to be picked or not. The problem is this: if mangoes are picked too early, there is no way they can ripen afterwards. India is responsible for more of half of the world’s mango harvest and market. Therefore the Corona-induced lockdown hit the farmers fairly hard, especially in the south. In the middle of the harvest season, helpers were not able to come and the transport routes were blocked. This is why not as many fruits as usual could be shipped out of the country. Particularly the golf states are very fond of Indian mangoes. This year, people over there got less than their usual share and many mangoes stayed in India, which is why the prize collapsed. Not too good for the farmers.

What to do with all these mangoes? Of course you can just enjoy the fruit. The fruit flesh can also be dried and can be enjoyed as a nourishing, sweet snack. Such snacks can also serve as a nice present to take along overseas. One can also prepare a nice chutney or yummy marmalade of mangoes. We recently did just that and it is so delicious. Incidentally, one can also use the mango pit, if dried and ground into a spice. In our family, mango lassi is the most favourite mango preparation, though. Mango lassi is a very refreshing drink, great for a hot Indian summer day! I am pretty confident, though: if it is really hot in Europe or the U.S., you will enjoy it, too.




Dabei ist es wichtig, selbst auf die Entfernung die Reife der Früchte erkennen zu können. Ist sie nämlich zu früh gepflückt, dann kann sie nicht nachreifen. Indien ist für mehr als die Hälfte der weltweiten Mangoernte und -vermarktung verantwortlich. Aus diesem Grund traf der Lockdown aufgrund der Coronapandemie gerade in Südindien die Landwirte hart. Mitten in der Haupterntezeit fielen Erntearbeiter weg und die Transportwege waren erschwert bis versperrt. Es konnten nicht so viele Früchte ins Ausland geliefert werden. Vor allem die Golfstaaten erfreuen sich gerne der indischen Mango. Viele Früchte blieben in Indien, wodurch der Preis abstürzte.

Mitbringsel nach Deutschland eignet. Aus dem Fruchtfleisch kann auch ein leckeres Chutney oder Mangomarmelade selbst gemacht werden. Das haben wir ausprobiert: superlecker! Mmmmh! Darüber hinaus dient der Mangokern, wenn er getrocknet und gerieben wird, als Gewürz. In unserer Familie aber hat sich der Mango-Lassi als mit Abstand beliebteste Verwendung etabliert. Mango-Lassi ist ein wunderbar frisches Getränk für die heißen Tage Indiens, aber sicher auch lecker, wenn es in Deutschland oder den USA so richtig warm wird.


















































Quite to the contrary, the power lines were hanging above our heads in a wild mesh, reminiscent of a spider’s web. Suddenly certain earlier bits of information that I had seen on the news made much more sense. I had always been slightly confused whenever I heard that after a hurricane in the U.S. even big cities were without electricity for days, sometimes even for weeks. Seeing the power lines above the ground made me realize why: surely, one big tree collapsing on a power line had to cut many households off electricity, perhaps entire neighborhoods. And of course, hurricanes typically uproot not just one tree, but many! As it turned out, this experience from the land of unlimited possibilities was a good preparation for India.




Dem Dussehra-Fest gingen schon neun Tage Festivitäten voraus. Mich verwunderte diese groβe Festlichkeit zuerst, denn ich hatte gedacht, dass im Herbst alleine das indische Lichterfest Diwali besondere Feierlichkeiten beinhaltet. Aber schnell musste ich erkennen, dass es noch etwas anderes “Groβes” davor gibt. Selbst die Universität hatte anläβlich der Festtage eine Woche Ferien. Eigentlich fanden jeden Abend an den neun Tagen vor Dussehra in unsere Nachbarschaft Pujas statt. Zu Pujas, was das ist und wie man sie begehen kann, schreibe ich nochmals gesondert. Hier und jetzt übersetze ich es einfach mal als Ehrerweisungen, die in kleinen oder gröβeren Gruppen mit mehr oder weniger Pomp begangen werden.
Diese Figuren standen hinter einer Absperrung. Vor der Absperrung war auf dem Grün des Dussehra-Parks ein enormes Auditorium entstanden. Unmengen von Stühlen standen in Reih und Glied und davor lagen grüne Teppiche am Boden, ebenfalls als Sitzmöglichkeit gedacht.




India, I saw trash everywhere. Now that I am getting used to it, my eyes are more open, as it were, and I can appreciate the beauty of this country as well. Indeed, I am able to see a range of places without garbage. Still, the huge amount of plastic waste is a big problem for India (as it is for the whole planet). Heaps of trash are piling up in many corners, trash floats on top of the rivers and is blown through the streets.





wurde, stellen wir hier täglich unseren schwarzen Müllsack vor die Wohnungstür im zweiten Stock. Und irgendwann wird er still und heimlich von dort abgeholt und in einem groβen Lastenfahrrad, das eher einem groβen Dreirad gleicht, abtransportiert. Täglich. Das ist auch gut so, denn bei der Hitze und der Luftfeuchtigkeit hier fängt der Abfall besonders schnell zu riechen an. Und über den Luxus, dass ich den Müll nicht nach unten bringen muss, er stattdessen im zweiten Stock vor unserer Tür abgeholt wird, darüber freue ich mich. Das ist klasse.




