Im Auge des Wirbelsturms

Als “Auge” eines Wirbelsturms bezeichnet man das nahezu windstille Zentrum. Und so fühlt es sich für uns gerade an: ruhig, während um uns herum der COVID-19-Wirbelsturm wütet. Immer etwas Sorge im Hinterkopf: Was ist, wenn der Wirbelsturm sich bewegt und uns mitzieht? Denn dass er alles mitreißt, was er in die Fänge kriegt, das können wir sowohl in allen Medienkanälen, aber vor allem auch in unserem unmittelbaren Umfeld sehen. Leid, Kummer, Sorge, Angst, wohin wir schauen.

Die offiziellen Zahlen Corona-positiv-Getesteter stehen aktuell bei täglich etwa 400.000 Neuinfizierten. Der deutsche Botschafter in Indien, Herr Lindner, sagte gestern in einem Interview mit heute.de, es erscheine, als ob sich bei dieser Zahl eine Art Plateau auf hohem Niveau einstelle. Ich weiß nicht, ob ich da mitgehen kann. Unter indischen Wissenschaftlern wird stark diskutiert, dass die Testrate weiter sinkt, und vermutet, dass die offiziellen Zahlen weit unter den eigentlichen Werten liegen. Darüber hinaus wütete der Corona-Sturm bislang vor allem in den großen Städten wie Mumbai, Neu Delhi, Pune, Bengaluru, Chennai …aber nun beginnt er, sich auf das platte Land hinauszubewegen. Und während in Neu Delhi das Gesundheitssystem zusammengestürzt ist, muss ich etwas zynisch sagen: Hier gab es immerhin ein System, das einstürzen konnte. Die ländlichen Regionen Indiens verfügen oftmals über gar kein System. Somit bleiben viele Kranke ungetestet, undokumentiert, unbehandelt und viele Toten verbrennen am Ende still in ihrem Scheiterhaufen, ohne dass sie in irgendeine Zählung eingegangen wären. Zurück bleiben die Trauer, die Wut, die Hilflosigkeit, ungesehen von der Welt, der Statistik, den wissenschaftlichen Berechnungen, den politischen Verantwortlichen.

Während des Lockdowns sind die Straßen wie leergefegt, wo es sonst vor Menschen wuselt.

Still ist es auch in unserem Viertel im Süden Delhis. Es ist ein kleines Viertel ohne Krankenhäuser, ohne Krematorien. Die tagtäglichen, lebensbedrohlichen Sorgen sehen wir also nicht vom Fenster aus. Wir sehen nur ausgestorbene Straßen. Da in Delhi seit drei Wochen eine strikte Ausgangssperre gilt, verlassen wir unsere Wohnung nur, um uns bei unserem Milchmann mit Milch und Joghurt oder uns bei unseren Obst- und Gemüsehändlern mit frischen Nahrungsmitteln zu versorgen. Anders als in Deutschland heißt hier in Indien der Lockdown nicht umsonst so. Nur mit Ausnahmen darf man auf den Straßen unterwegs sein. Selbst die Parks sind versperrt, so dass man sich auch dort nicht die Füße vertreten kann. Von daher verschafft der Weg zum Milchmann oder zum Obsthändler eine willkommene Abwechslung zu den eigenen vier Wänden. Alles weitere, also Lebensmittel und was man sonst so zum Leben braucht, können wir per Anruf oder per WhatsApp-Nachricht bei unserem Ecklädchen ordern und bekommen es kurze Zeit später kontaktlos zugestellt. Wir haben uns dazu entschlossen, weiter unsere Eckläden sowie die „fliegenden Händler“ in unserer Nähe mit unseren Einkäufen zu beehren, statt z.B. auf einen großen online-Versand aus den USA zurückzugreifen. Denn für die einfachsten Leute in der indischen Gesellschaft ist diese Pandemie doch am schwersten. Zwar gebe ich Herrn Lindner, dem deutschen Botschafter, recht, dass das Virus nicht Halt macht vor den Berühmten, den Mächtigen, den Supersportlern… aber die einfachen Menschen sind dennoch einem viel höheren Risiko ausgesetzt. Ihre Arbeit ermöglicht kein Homeoffice. Sie können sich nicht in ihr Zuhause zurückziehen. Denn das bedeutet: Keine Arbeit, kein Geld.

Unser „neuer“ Obsthändler, denn der „Fruchtwallah“, der eigentlich in unserem Viertel verkauft, ist zurück in sein Heimatdorf gegangen.
(Das Wort ‚Wallah‘ ist Hindi für Typ / Kerl.)
Unser Milchmann oder vielmehr: sein Laden. Auf einer der Treppenstufen kann man noch einen aufgemalten Kreis erkennen. Diese Kreise wurden in der ersten Welle der Pandemie vor allen Läden aufgezeichnet, um so das „social distancing“ zu visualisieren. Soziale Distanz ist nämlich sehr untypisch für die indische Gesellschaft. Das Nähe-Distanz-Empfinden unterscheidet sich deutlich von z.B. dem von Mitteleuropäern.

Und da sind wir schon bei einem weiteren Faktor neben dem Lockdown, warum es in unserem Viertel so ruhig ist. Noch vor vier Wochen war es bei uns draußen mächtig laut. Drei große Baustellen sorgten dafür.

Die Baustelle ist verriegelt und verrammelt. Alle Arbeiter sind weg.
Hier hat man einen Blick in einen verwaisten Park und im Hintergrund ist ebenfalls eine arbeiterlose Baustelle. Oftmals „wohnen“ die Arbeiter auch in den Rohbauten. Mit dem Lockdown haben sie das Dach über dem Kopf wie auch ihr Einkommen und somit ihr Auskommen verloren.

Aber viele der gewöhnlichen Arbeiter haben bei der Verkündung eines möglichen Lockdowns, der dann ja auch eintrat, fluchtartig die Stadt verlassen. Zu deutlich haben die Tagelöhner, die einfachen Arbeiter, aber auch die Bügler, Schneider, Straßenschuster, fahrenden Obst- und Gemüsehändler den großen Lockdown Indiens während der ersten COVID19-Welle im vergangenen Jahr noch vor Augen. Von einem Tag auf den anderen – oder vielmehr: innerhalb von vier Stunden – machte Indien Ende März 2020 das ganze Land dicht. Es herrschte eine nationale Ausgangssperre in einem Land mit fast doppelt so vielen Einwohnern wie ganz Europa. Nur um das Nötigste zu kaufen, etwa Lebensmittel, medizinische und Hygieneartikel, durfte das Haus verlassen werden. Dies wurde von Militär und Polizei strikt kontrolliert.

Was hat ein solch strikter Lockdown zur Folge? Viele Menschen, wie oben aufgezählt, also Tagelöhner, Gelegenheits- und Wanderarbeiter, waren innerhalb von vier Stunden ihrer Existenzgrundlage beraubt. Sie konnten nicht mehr arbeiten, also bekamen sie kein Geld, und somit konnten sie keine Lebensmittel mehr einkaufen. Dieser plötzliche komplette Lockdown führte direkt in eine große, humanitäre Katastrophe. Wir reden hier nämlich von vielen Millionen Menschen, die das betraf.

Hier arbeitet normalerweise ein Bügler und ernährt sowohl seine vierköpfige Familie, aber unterstützt auch seine Familie zu Hause in einem kleinen Dorf in Rajasthan. Jetzt aber ist er selbst zurück in das Dorf gegangen. Zu unsicher ist die Coronalage für seine Familie und die Kunden bleiben auch aus, bzw. Wäsche zum Bügeln zu bringen fällt nicht unter die Ausnahmen der Ausgangssperre.
Hier in dieser kleinen Hütte sitzt normalerweise ein Schuster und repariert die Schuhe des Viertels. Auch er hat die Stadt verlassen. Ohne Kunden fehlt das Geld zum Überleben.

Und was taten diese Menschen? Sie machten sich zu Fuß auf den Weg nach Hause zu ihren Familien, meist in ländliche, oft ärmliche Verhältnisse, in der Hoffnung, auf dem Land leichter etwas Essbares zu finden, mit der Familie das Bisschen zu teilen, was es dort gibt, statt in den Großstädten gar nichts zu haben. Zu Fuß nach Hause zu ziehen im April-Mai in Indien heißt, viele tausende Kilometer mit Flip-Flops oder gar barfuß bei über 40°C unter brennender Sonne mit wenig oder keinem Geld zurückzulegen, nichts zu essen und nichts zu trinken dabei zu haben, von Polizei und Militär gestoppt, festgehalten vielleicht sogar misshandelt zu werden. Kurzum: Das Bild dieses Exodus war herzzerreißend. Das Leid war riesig und viele Menschen sind auf dieser Stadtflucht verstorben.

Shantipath – eine Prachtstrasse vorbei an vielen grossen, internationalen Botschaften, nahezu verwaist. Außerhalb des Lockdowns ist sie stark frequentiert.
Der Gemüsehändler. Er hat seine Familie, also Frau und Kinder, ins Dorf gebracht und kam dann wieder zurück. Auch wenn Neu Delhi während Corona gefährlich ist, einer muss das Geld verdienen.

Warum hole ich so weit aus? Weil diese Tragödien und Bilder des vergangenen Jahres ein Teil der Erklärung sind (zu den anderen schreibe ich an anderer Stelle), warum Indien jetzt so zögerlich war und noch immer ist, erneut einen nationalen Lockdown zu verhängen. Selbst wenn die Coronazahlen durch die Decke gehen.

Verschiedene Bundesstaaten haben eine Ausgangssperre ausgerufen. In Delhi hangelt man sich von Woche zu Woche. Gerade wurde die Ausgangssperre um eine weitere Woche verlängert. Das ist auch weiter bitter nötig. Das Gesundheitssystem ist weiterhin am Anschlag und Sauerstoff ist noch immer Mangelware. Die Angst zu erkranken ist riesengroß. Denn eines weiß jeder genau, an COVID19 zu erkranken, kann derzeit ein Todesurteil bedeuten.

Diese Gewissheit poppt auf in meinen WhatsApp-Gruppen, wenn wieder einmal in großer Not gefragt wird: „Mein Vater ist an COVID erkrankt, braucht dringend O2. Weiß jemand, wo wir in Ghaziabad (eine Stadt vor den Toren Delhis) einen gefüllten Zylinder bekommen können?“ Oder „Wir sind im Norden der Stadt auf der Suche nach einem KH-Bett. Weiß jemand, welches KH noch Patienten aufnimmt?“

Die traurige Wahrheit begegnet uns aber auch, wenn etwa unser Fahrer uns berichtet, dass er in den vergangenen zehn Tagen fünf seiner Freunde aus der Nachbarschaft verloren hat, oder wenn wir auf Twitter lesen, dass bislang 43 Lehrende einer muslimischen Universität in Delhi an dem Virus verstorben sind.

Das macht unendlich traurig und ist auch ein Zeichen, dass sich der Wirbelsturm noch nicht beruhigt hat und sich wohl auch nicht so schnell beruhigen wird. Die Hoffnung auf ein Wunder bleibt.

Der folgende Link führt zu dem erwähnten Interview mit Herrn Lindner, dem deutschen Botschafter in Indien:

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-indien-botschafter-lindner-interview-100.html

Der nächste Link führt zu einem interessanten Podcast, der die aktuelle Problemlage Indiens in differenzierter Weise bespricht:

https://www.zeit.de/politik/2021-04/indien-corona-krise-jan-ross-politikpodcast

Mango season … almost over

Namaste from Delhi! Today I won’t write about Corona, or at most a tiny bit. There is another topic on my agenda. Today, I write about the national fruit of India, the queen of fruits: the mango.

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Whereas in Germany everyone (or at least many, many people) waits for the first white asparagus to be sold in the markets, or that one of the many strawberries fields opens that people can pick their own strawberries from, here in India, no one can wait for the mango season to finally get started. As one of our friends said: “Finally the mangoes are ready. I am a very happy man!” There is also a quote of a letter by the famous Urdu poet Mirza Asadullah Khan Ghalib that indicates the intensity of the Indians’ love for mangoes:

Not only am I a slave to my stomach, I am a weak person as well. I desire that my table be adorned and that my soul be comforted. The wise ones know that both of these cravings can be satisfied by mangoes.

Mango is THE fruit of India. It is omnipresent as soon as the mango season begins. Did you know that there are 500 different kinds of mangoes? I did not. I just learnt that when I started to prepare this blog post. I had already been surprised earlier this year. Every time we ordered mango from the fruit delivery store, the mangoes that were delivered looked different. One time they were more greenly-yellow, the next time they were deeply yellow, almost orange, yet another time the mangoes were light pinkish with greenish shadows. We mango laymen just ordered mangoes and got caught by surprise almost every time. The mangoes didn’t just differ in appearance. No. They were also different in taste and in their consistency. The Alphonso mango, it seems, is the most favourite kind around here.

This special fruit, the mango, is so important that many families actually save up to mail a box filled with mangoes to their loved ones all over the world. Mailing a box of fruits (or several even) via airmail so that they arrive still fresh and edible means spending a non-negligible amount of money for an average middle-class family.

Now the mango season is about to come to an end in Delhi. In other parts of India it is already over. This is to say that the mango season does not start all over India at the same time. In the south, it starts in March and lasts until around the end of May. Like the monsoon that makes its way across the subcontinent from the south-west to the north-east, the mango season takes the same route just ahead of the monsoon. With the onset of the rainy season, the mango season ends.

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Die 25 bedeutensten Mangoproduzenten weltweit in 2018 (in Tonnen) – World’s top 25 largest producers in 2018 (tonnes) Quelle/source: ihsmarkit.com

Harvest workers need to be well experienced to harvest mangoes. They have to cut off IMG-20200707-WA0022the mangoes with a long stick, for mango trees can grow up to 40 meters tall. It is very important that they know how to determine whether a fruit is ripe enough to be picked or not. The problem is this: if mangoes are picked too early, there is no way they can ripen afterwards. India is responsible for more of half of the world’s mango harvest and market. Therefore the Corona-induced lockdown hit the farmers fairly hard, especially in the south. In the middle of the harvest season, helpers were not able to come and the transport routes were blocked. This is why not as many fruits as usual could be shipped out of the country. Particularly the golf states are very fond of Indian mangoes. This year, people over there got less than their usual share and many mangoes stayed in India, which is why the prize collapsed. Not too good for the farmers.

But we had and still have a lot of mangoes. Here in Delhi, slowly but surely the monsoon kicks in and the last mangoes get harvested.

20200721_203211What to do with all these mangoes? Of course you can just enjoy the fruit. The fruit flesh can also be dried and can be enjoyed as a nourishing, sweet snack. Such snacks can also serve as a nice present to take along overseas. One can also prepare a nice chutney or yummy marmalade of mangoes. We recently did just that and it is so delicious. Incidentally, one can also use the mango pit, if dried and ground into a spice. In our family, mango lassi is the most favourite mango preparation, though. Mango lassi is a very refreshing drink, great for a hot Indian summer day! I am pretty confident, though: if it is really hot in Europe or the U.S., you will enjoy it, too.

Did this whet your appetite? Here is the recipe: mango-lassi-3856051_1920

1 cup plain yoghurt

½ cup of milk

1 cup of ripe mango (you can also use pulp that you get in tins at a well-assorted store or in many Asian stores)

4 tea spoons of honey or sugar (as per your taste …maybe less or a bit more, it also depends on the sweetness of the mango)

a pinch of freshly ground cardamom (This is a matter of taste. Cardamom is not everybody’s cup of tea in our family.)

If you like it really cold, add some ice.

Put all the ingredients into the blender and blend them for 1-2 minutes. It should be creamy and not too firm. And there it is: your refreshing summer drink with a taste of India!

Enjoy!

Thank you, M. and R., for your wonderful pictures. ❤

Mango-Zeit … fast vorbei

Namaste aus Delhi! Heute geht es mal gar nicht, oder zumindest fast nicht um Corona. Heute soll es um die Nationalfrucht Indiens gehen, um die Königin der Früchte: die Mango.

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Während man in Deutschland auf den ersten Spargel wartet oder es gar nicht erwarten kann, dass das Erdbeerfeld zum Selbstpflücken öffnet, so kann man in Indien nicht erwarten, dass die Mango-Zeit (mango season) endlich beginnt. Ein Freund von uns sagte: „Endlich sind die Mangos reif. Ich bin glücklich!“ Und auch ein Zitat aus einem Brief des bedeutenden Urdu-Poeten Mirza Asadullah Khan Ghalib kann verdeutlichen, wie groß die Liebe der Inder ihrer Nationalfrucht gegenüber ist.

Not only am I a slave to my stomach I am a weak person as well. I desire that my table be adorned and that my soul be comforted. The wise ones know that both of these cravings can be satisfied by mangoes.” (Nicht nur bin ich ein Sklave meines Bauches, ich bin auch eine schwache Person. Ich wünsche mir, dass mein Tisch reichlich gedeckt sei und dass meine Seele umsorgt werde. Die Weisen wissen, dass beide diese Verlangen mit Mangos gestillt werden können.)

Mango ist DIE Frucht Indiens. Sie ist überall und allgegenwärtig, wenn Mango-Saison ist. Wusstet Ihr, dass es über 500 verschiedene Sorten Mangos gibt? Ich wusste das nicht, nicht bis ich mich auf diesen Blog-Eintrag vorbereitet habe. Ich war schon zuvor in diesem Jahr überrascht worden, dass jedes Mal, wenn wir Mangos beim Lieferservice bestellt hatten, die Mangos anders aussahen. Mal eher grünlich-gelb, das nächste Mal tiefgelb bis orange, dann wiederum kamen Mangos an, die leicht rosa bis grünlich schattiert waren. Wir Mango-Laien haben einfach immer nur Mangos bestellt, um dann jedes Mal überrascht zu werden – nicht nur vom Aussehen der Mangos, nein, auch geschmacklich und von der Konsistenz waren die gelieferten Mangos meist unterschiedlich. Für viele Inder ist die Alphonso-Mango die beste unter den verehrten Früchten.

Diese Frucht ist hier von so großer Wichtigkeit, dass viele Familien regelrecht sparen, um eine Kiste gefüllt mit Mangos an ihre Lieben in der ganzen Welt verschicken zu können. Das Verschicken per Flugzeug, damit die Früchte auch ja genießbar am Bestimmungsort eintreffen, kostet eine indische Familie ein kleines Vermögen.

Nun neigt sich die Mango-Saison aber bei uns so langsam ihrem Ende entgegen. In anderen Teilen Indiens ist sie schon seit Wochen zu Ende. Die Mango-Saison beginnt nämlich nicht in ganz Indien zur gleichen Zeit, sondern sie startet im Süden Indiens etwa im März und dauert dort bis etwa Ende Mai. So wie auch der Monsun aus südwestlicher Richtung sich allmählich nach Nordosten über den Subkontinent vorarbeitet, so verläuft die Mangozeit in gleicher Regionenabfolge, nur dem Monsun vorgeordnet. Es ist nämlich so, dass die regenreiche Phase des Monsuns die Mango-Saison beendet.

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Die 25 bedeutensten Mangoproduzenten weltweit in 2018 (in Tonnen)                                             Quelle: ihsmarkit.com

Die Ernte der Mangos benötigt eine gewisse Erfahrung. Mit einem langen Stock werden die Früchte an dem zum Teil 40 Meter hohen Bäumen abgepflückt.

IMG-20200707-WA0026Dabei ist es wichtig, selbst auf die Entfernung die Reife der Früchte erkennen zu können. Ist sie nämlich zu früh gepflückt, dann kann sie nicht nachreifen. Indien ist für mehr als die Hälfte der weltweiten Mangoernte und -vermarktung verantwortlich. Aus diesem Grund traf der Lockdown aufgrund der Coronapandemie gerade in Südindien die Landwirte hart. Mitten in der Haupterntezeit fielen Erntearbeiter weg und die Transportwege waren erschwert bis versperrt. Es konnten nicht so viele Früchte ins Ausland geliefert werden. Vor allem die Golfstaaten erfreuen sich gerne der indischen Mango. Viele Früchte blieben in Indien, wodurch der Preis abstürzte.

Aber wir hatten und haben noch immer viele Mangos zum Essen. Bei uns in Delhi beginnt erst allmählich der Monsun und die letzten Mangos werden noch geerntet.

Was kann man denn mit Mangos alles Leckeres zaubern? Natürlich kann man sie einfach als Frucht genießen. Ihr Fruchtfleisch lässt sich aber auch trocknen und kann dann als sehr nahrhafter, süßer Snack genossen werden, was sich auch als schönes 20200721_203141Mitbringsel nach Deutschland eignet. Aus dem Fruchtfleisch kann auch ein leckeres Chutney oder Mangomarmelade selbst gemacht werden. Das haben wir ausprobiert: superlecker! Mmmmh!  Darüber hinaus dient der Mangokern, wenn er getrocknet und gerieben wird, als Gewürz. In unserer Familie aber hat sich der Mango-Lassi als mit Abstand beliebteste Verwendung etabliert. Mango-Lassi ist ein wunderbar frisches Getränk für die heißen Tage Indiens, aber sicher auch lecker, wenn es in Deutschland oder den USA so richtig warm wird.

Hier das Rezept zum Ausprobieren:mango-lassi-3856051_1920

250 g  purer Joghurt

125 g  Milch

250 g reife Mango  (man kann auch Mangopüree verwenden – das bekommt man sicher im nächsten Asiashop oder in gut sortierten Läden)

4 Teelöffel Honig oder Zucker (je nach Geschmack mehr oder weniger…ist natürlich auch abhängig von der Süße der Frucht selbst)

Eine Prise frischgemahlener Kardamom (Kardamom ist natürlich Geschmack sache. Bei uns in der Familie trifft Kardamom nicht bei allen auf Gefallen.)

Und nach Wunsch kann man noch Eiswürfel hinzufügen.

Alles zusammen kommt in den Mixer und wird 1-2 Minuten kräftig durchgemixt und schon ist er fertig: der erfrischende Sommerdrink mit einem Hauch von Indien!

Lasst es Euch gut schmecken!

Und für alle, die gerne noch eine Galileo-Sendung zum Thema Inder und ihre Liebe zu Mangos sehen möchte, für die verlinke ich hier noch ein YouTube-Video.

Galileo – Darum sind die Inder so verrückt nach Mango

Thank you, M. und R., for your support with amazing pictures! ❤

Social Distancing and Lockdown for almost a fifth of the world’s population

Today I am writing for the first time about the topic that the whole world is currently talking about: Corona. Of course, in India this viral disease is a if not the main topic as well. Like most other countries in the world, India, too, is trying to deal with Corona or to control it even. However, in India, the conditions under which one can or needs to deal with it are very different from those in e.g. Germany or other countries in Europe, where the numbers are low. They are also completely different from those in the United States, for even though the numbers in India are high, and rising, India is still behind the U.S. when it comes to the total number of Corona cases (at least the official numbers) as of today, i.e. the day I am writing this post. (This might change quickly, though).

What makes the situation so different? First off: population count. India’s population count is estimated at 1.38 billion people. That number makes India second only to China, which currently has the largest population on the planet. According to some projections, India is expected to overtake China’s numbers in 2022 and is to take the lead in terms of being the country with the biggest population on earth. India hosts 17.7% of the world’s population, but takes just 2% of the land surface. The population percentage will even rise. What does that mean for the density of population? I took the numbers I found at  https://www.worldometers.info/geography and calculated that on average, 4640.4 people live in one square kilometre [0.386102 square miles]. That said, one has to keep in mind that the population in India –  as in other countries – is not distributed evenly across the country. In megacities like Delhi and Mumbai (and some others), many more people share the same space as people in the Northern states in the Himalaya area. I found data on Delhi from the year 2011 online. According to it, 11,320 people live in one square kilometre. The number is much bigger these days, I am rather sure.

Now, this opening was a bit heavy on numbers. What do they mean concretely? Concretely, they mean that in the city, you run into people always and everywhere. That things are more packed everywhere. Everywhere there is scrambling, pushing, and shoving, and sometimes you just have to actively push forward or to the side (even if doing this is not really in your nature) in order to get your turn. Class segregation becomes correlated with crowdedness. While the well-located and well-off neighbourhoods provide bigger apartments, broader streets, parks and enough space to live and breathe, in other areas, people are squashed together. The latter provides ideal circumstances for the virus to spread and jump from one person to another.

To slow down the spreading of the virus, the Indian government had enforced a radical measure: The government forced all people in India – all the 1.38 billion people – into a full lockdown, which was announced and implemented over night on the 24th of March this year (2020). That meant that nation-wide, all people were locked in at home (if they had one).

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Shopping is done. The guards are happy about the little distraction, finally a few people are passing by.

We were only allowed to walk to the closest store to fetch some groceries. We were also able to get to the pharmacy or to see a doctor in an emergency. But anything else: not allowed. Even a little stroll in the neighbourhood was almost impossible, unless you could plausibly claim that you were on your way to the milk stall, say. For some people, these rules were not too easy to understand (or abide by), so without further ado, our neighbourhood welfare society resorted to locking all the entrances to the parks with massive iron chains. Overnight, a jammed city turned almost into a ghost city. It was so quiet. Unbelievably quiet! Gone was the by now familiar noise of honking cars, no airplane was in the sky, no aircraft noise could be heard, no scooter or motorbike clattered by, no construction site would produce the hammering sounds of construction workers at work. It was so unusual. Quickly, the air quality improved significantly and we were able to listen to cheerful bird songs in our neighbourhood. In a way, Delhi had turned into a ghost city just in the modern sense of what a lively city should be like. But in a different sense, our environment was as lively as we had never been able to notice before. Incredible!

For us, this ad hoc lockdown brought silence and relief from the usual onslaught of urban noises. We were able to experience the wildlife around, enjoyed the good air quality and at least in part: having fewer obligations. This was the bright side of the coin. But there was also a very dark, sad, and tragic side. I will here just briefly mention the plight of the migrant workers, who destitute and unable to make a living, fled the big cities in flocks. This human tragedy is a complex topic, so I would like to write about it in a separate post.

Accordingly, back to the topic of social distancing and lockdown: Because of the high population density, you meet, even under lockdown circumstances, a lot of people e.g. while shopping at the little corner shop or the veggie store close by. How to cope with that situation and how to avoid that 10-20 people squeeze together in a small* corner store? Easy, you draw circles in front of the shop or on the sidewalk to mark the places in which you are to wait and which you have to take, one-by-one, as you proceed. One moves forward, circle by circle, until it is one’s turn to step into the shop. I love this pragmatic approach!

All people (at least everywhere we went) followed this technique and abided by the rules. I myself, with several experiences of having to fight through the crowed at a metro station with two small kids, could not have imagined something like this. I am not in a position to say whether people followed the rules because they were afraid of the disease or whether it was due to the police and the military personnel that one could see everywhere. Both options are conceivable.

The mandate to wear a mask had been followed almost 100% in our radius in all social classes. Unfortunately, we notice now, after the lockdown has been lifted after 12 weeks, that more and more people are getting lazy and start to be lax about safety arrangements such as keeping distance or wearing masks. Of course it is extremely uncomfortable to wear a mask when the daily heat goes up to 40 degrees centigrade (104 F) – it seems almost impossible to work in such conditions. Sweat is accumulating underneath the mask, breathing becomes difficult. More and more people do not wear their masks correctly. They wear them under the nose, under the chin even. For me, the most irritating people are those who wear the mask gallantly around the wrist. Who or what is supposed to be protected like that? The bad habit of not wearing masks creeps in across social strata. The street sweeper, the lady who carries the bricks at a construction side, the runner wearing expensive running gear, and the walker carrying a Rolex around his wrist. It is a big problem, especially now with rising numbers of Corona cases and a health care system that is unable to cope with the potential needs of such a big population.

I do not want to end on such a sad note. There are still many people who take the safety arrangements seriously, wear their masks, and keep their distance. Concerns about the virus are ubiquitous. I hope India will prove to be able to keep the disease in check for as long as possible. That is my wish for this fascinating country and all the people who live here.

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*[For all who have never been to India: When I say small corner store, I mean it. Imagine a small garage, an European double garage at max – not bigger.]

Thank you, I., I. and R., for supporting that post with your images. ❤

Social Distancing und Lockdown für knapp ein Fünftel der Welt

Heute komme ich nun zum ersten Mal zu dem Thema, das derzeit die ganze Welt bewegt. Corona. Natürlich ist diese Viruserkrankung auch in Indien das Thema Nummer eins. Wie alle anderen Staaten dieser Erde versucht auch Indien, so gut es geht mit dieser Erkrankung umzugehen und Herr über sie zu werden. Allerdings hat Indien dabei andere Voraussetzungen als z.B. Deutschland oder andere Länder Europas, wo die Fallzahlen niedrig sind – ja, und eigentlich hat Indien auch ganz andere Voraussetzungen als z.B. die USA, obwohl Indien weiterhin noch hinter den USA-Fallzahlen zurück liegt, zumindest nach offiziellen Zahlen an dem Tag, an dem ich diese Zeilen schreibe. Das kann sich ja sehr schnell ändern.

Was macht die Situation so anders? Ganz besonders ist dabei die Bevölkerungszahl hervorzuheben. Indiens Bevölkerung wird derzeit in etwa auf 1,38 Milliarden Menschen geschätzt. Damit ist Indien das zweitbevölkerungsreichste Land dieser Erde nach China. Schätzungen gehen davon aus, dass Indien China schon im Jahre 2022 überholt haben kann und dann das bevölkerungsreichste Land der Erde sein wird. Indien stellt aktuell etwa 17,7% der Weltbevölkerung bei gerade mal 2% der Landfläche auf unserem Globus und die Zahl wird steigen. Was heißt das nun für die Bevölkerungsdichte? Ich habe mich jetzt einmal an die Zahlen von https://www.worldometers.info/geography  gehalten und errechnet, dass durchschnittlich auf einem Quadratkilometer 4640,4 Menschen leben. Allerdings muss man dabei beachten, dass sich in Indien, wie in anderen Ländern auch, die Menschen natürlich nicht gleichmäßig verteilen. In Ballungsräumen wie Delhi und Mumbai (neben weiteren Städten) leben viel mehr Menschen auf einem Quadratkilometer als etwa in den nördlichen Bundesstaaten inmitten des Himalayas. Ich habe online Zahlen für Delhi aus dem Jahre 2011 gefunden, die besagen, dass auf einem Quadratkilometer 11.320 Menschen leben. Die Zahl dürfte aktuell noch deutlich höher sein.

Das war jetzt mal ein sehr zahlenlastiger Einstieg – was heißt das konkret? Es heißt: In dieser Stadt trifft man immer und überall auf Menschen. Es ist überall voller. Überall ist mehr Gedrängel und manchmal muss man sich auch einfach nach vorne durchdrücken (selbst wenn es nicht in der eigenen Natur liegt), um an der Reihe zu sein.  Deutlich bemerkbar machen sich dabei die unterschiedlichen sozialen Schichten. Während es in besser gestellten Wohnvierteln größere Wohnungen gibt, sowie breitere Straßen, Parks und auch Platz, so knubbelt es sich an anderer Stelle sehr stark. Viele Menschen leben auf engstem Raum. Das bietet beste Voraussetzungen für den Virus, sich von einem Menschen zum nächsten auszubreiten.

Um diese Ausbreitung stark zu verlangsamen, griff die indische Regierung zu einer drastischen Maßnahme. In einer Übernachtaktion wurde am 24. März dieses Jahres (2020) ganz Indien, also alle 1,38 Milliarden Menschen, unter strickten Lockdown gestellt. Das bedeutete, dass sich ganz Indien von einem Tag auf den anderen in kompletter Ausgangssperre befand. Wir durften lediglich zum nächstgelegenen Laden gehen, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen.

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Einkauf ist erledigt. Die Strassen sind leer.

Auch zu Apotheken oder Ärzten durfte gegangen werden, aber alles darüber hinaus war untersagt. Selbst das Umherwandeln in der Nachbarschaft, also bissel Füße vertreten, war nahezu unmöglich, außer man griff auf die Ausrede zurück, man gehe zum Milchmann. Da das für einige Menschen nicht so einfach zu verstehen war, wurden z.B. in unserer Nachbarschaft auch alle Parkeingänge mit Eisenketten verschlossen. Eine überfüllte Stadt wurde über Nacht nahezu zur Geisterstadt! Es war so ruhig. Unglaublich ruhig. Man hörte nicht mehr das so typische Gehupe, es flogen keine Flugzeuge und somit gab es auch keinen Flugzeuglärm mehr, keine Roller oder Motorräder knatterten mehr vorbei, an keiner Baustelle hämmerte es mehr vor sich hin. Dafür stellten sich schnell gute Luftwerte ein und wir hörten die Vögel in voller Lautstärke ihre Lieder trillern. Also um uns herum herrschte nur im Sinne der modernen Zivilisation Geisterstadt, ansonsten war es so lebendig wie wir es zuvor nie wahrnehmen konnten.

Aber dieser ad hoc Lockdown, der für uns Ruhe, Naturerleben und auch (teilweise) weniger Terminverpflichtungen brachte, hatte neben der für uns schönen Seite der Medaille eine sehr dramatische und traurige, schattige Seite. Ich deute hier die Situation der Wanderarbeiter nur an, die aus schierer Not, ihr Überleben nicht mehr verdingen zu können, in Scharen die Großstädte verließen. Diese menschliche Tragödie ist so ein großes und eigenes Thema, dass ich an anderer Stelle isoliert und ausführlicher behandeln möchte, daher komme ich hier wieder auf den Lockdown und das Social Distancing zurück.

Also, bei dieser hohen Bevölkerungsdichte trifft man selbst bei Ausgangsperre auf viele Menschen etwa beim Einkauf im nächstgelegenen Gemüse- oder Tante-Emma-Laden. Wie also damit umgehen, dass sich nicht 10-20 Leute auf engstem Raum* im Laden über die Füße steigen? Ganz einfach: Man pinselt mit Farbe Wartekreise auf den Platz vor dem Laden auf, in die man sich stellt und dann Kreis für Kreis nach vorne rückt, bis man ganz vorne und dann an der Reihe ist, den Laden zu betreten. Diese pragmatische Art gefällt mir an Indien.

An diese Markierungen und den Abstand hielten sich auch wirklich alle (zumindest dort, wo wir waren). Ich, die sich nicht nur einmal durch Geknäuel an Menschen an Metrostationen mit zwei Kindern schlagen musste, hatte mir das zuvor kaum vorstellen können. Ich vermag nicht zu sagen, ob es an der Angst vor der Krankheit lag, die alle Menschen befallen hatte, oder ob es an der Polizei- und Militärpräsenz lag, die aller Orten zu beobachten war. Beides denkbar.

Auch wurde die Aufforderung, Masken zu tragen, zumindest in unserem Radius in allen sozialen Schichten nahezu hundertprozentig befolgt. Leider stellen wir jetzt – der Lockdown ist nach 12 Wochen wieder aufgehoben worden – vermehrt fest, dass die Sicherheitsvorkehrungen, Abstand halten und Masken tragen zunehmend nicht länger beachtet werden. Natürlich ist es extrem unangenehm bei nahezu täglich 40 Grad mit einer Maske draußen herumzulaufen, ja gar schwer zu arbeiten. Der Schweiß sammelt sich darin, das Atmen ist erschwert. Mehr und mehr Menschen tragen die Maske nicht richtig. Sie tragen sie unterhalb der Nase, oder gleich unten am Kinn. Am unverständlichsten ist mir, wenn ich Menschen sehe, die ihre Maske galant am Handgelenk tragen. Wen oder was soll sie dort schützen? Auch diese Unart des Maskentragens findet sich wieder schichtenübergreifend. Man sieht es beim Straßenfeger, bei der Bausteineträgerin ebenso wie beim Jogger in Markenklamotten und dem Walker mit der Rolex am Arm. Es ist ein großes Problem, vor allem bei stetig steigenden Fallzahlen und einem Gesundheitssystem, das den Anforderungen einer solch großen Bevölkerungszahl nicht gewachsen ist.

Ich möchte aber nicht auf einer ganz so negativen Note enden. Es gibt weiterhin viele Menschen, die sich genau an die Empfehlungen halten. Sie tragen ihren Mundschutz korrekt und halten Abstand. Die Sorge aufgrund des Virus ist universell. Hoffentlich gelingt es Indien, die Krankheit so lange wie möglich in Schach zu halten. Das wünsche ich diesem faszinierenden Land und allen Menschen, die darin leben.

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*[Für alle, die noch nicht in Indien waren: engster Raum ist hierbei wirklich wörtlich zu nehmen. Stellt Euch eine kleine Garage vor. Ein großer Laden ist vielleicht höchstens eine Doppelgarage groß – auf keinen Fall grösser.]

Einen herzlichen Dank an Euch, I., I.  und R., für Eure Unterstützung mit Photomaterial. ❤

Power lines

I return to writing here after a long time during which I was challenged quite a bit job-wise. I hope that from now on, I will find more time again to write regularly. After all, there is so much to write about! The biggest topic right now is, of course, the Corona virus. I will write about that topic later for sure, but sometimes it is not the big topics, but the little stories that are worth talking about. This is something that struck me just a couple of days ago when I was talking to my friends. Today, I will therefore write about a very ordinary topic: electricity!

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Criss-cross

In Germany, one plugs in the plug and electric devices start to function. Most of the time at least! Blackouts are rather rare and are more or less akin to a tragedy in Germany, well organized and well-regulated such as it is. I remember very few such events from my childhood: when a power cut for maintenance work had been announced, BIG preparations were made. Just in case!

When we lived in the U.S., we noticed that there, the relationship towards electricity was in many ways different. Most strikingly, one could see all the power lines. They were not underground, as they are even in my tiny little home town village (home to just a couple hundred souls), and even back when I was a kid. 20191117_090738Quite to the contrary, the power lines were hanging above our heads in a wild mesh, reminiscent of a spider’s web. Suddenly certain earlier bits of information that I had seen on the news made much more sense. I had always been slightly confused whenever I heard that after a hurricane in the U.S. even big cities were without electricity for days, sometimes even for weeks. Seeing the power lines above the ground made me realize why: surely, one big tree collapsing on a power line had to cut many households off electricity, perhaps entire neighborhoods. And of course, hurricanes typically uproot not just one tree, but many! As it turned out, this experience from the land of unlimited possibilities was a good preparation for India.

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Backstreet wires

Here, too, power lines criss-cross wildly above our heads. One reason is certainly that Indians seem to have a much more practical and hands-on approach. Your house needs electricity? No problem. Establish a connection with the main power line up there by connecting it to the household that needs electricity. One might wonder whether anyone knows how many such connections fork off from the main line. On the other hand, I am also pretty sure that there are volumes of note books in which every such fork is meticulously noted and written down. (The topic of the Indian penchant for filling note books and protocols deserves its own post at some later point.)

Back to the topic of electricity. The way how one acquires electricity is as interesting as the way power connections get severed. The latter was something I was able to observe last weekend. We had a blackout once again. It is not really a fun event when the thermometer shows 43° C (109.4° F) and suddenly the AC stops working and the fans are no longer running. Immediately beads of sweat begin to run down one’s back. No fun indeed!

This kind of blackout happened for the third time in a row, in short succession, last weekend, which is quite unusual in our neighborhood. In general, we don’t need to worry much about power supply and can thus handle our daily life pretty well without a generator. So when the power went out again, I went outside, onto our balcony, to check what was going on and also in hopes that there might at least be a tiny bit of a breeze.

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A man hanging from the pole

I was struck by surprise when I spotted, right in front of me, a man who was hanging from the electricity pole like a monkey from a tree. His worker protection is quickly described: a bright yellow helmet, bulky shoes, and a rope around his waist that tied him to the pole. And, of course, he was wearing a face mask. We are, after all, in the middle of a pandemic. Whether there is any risk of infecting someone else high up on an electricity pole is something I have some reason to doubt. It simply doesn’t strike me as the kind of place populated by crowds all day, I think. But a rule is a rule.

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Protected just by a rope

Oh, I almost forgot to mention one important protective measure: the worker’s colleague, who was standing down on the street and looking up at his colleague, focused, brows furrowed critically. Soon, I was targeted by that critical look as well, once I pulled up my mobile phone to take some pictures. But I was not skeptical at all. In fact, I was really impressed by this man’s climbing expertise. And he disconnected the electricity supply of the neighbor’s house in a jiffy. He “protected” the power line endings with some colorful tape. And now, I wondered, what will happen now?

Sure thing, another pragmatic solution was called for. What was a single worker hanging from an electricity pole to do? His tape was already in his hand and so he simply taped the power line endings back to the main line. Whoosh and he was off the pole again. That’s how things are now: The disconnected power line is taped to the main line. But it is also still connected to the neighbor’s house and is hanging in a low-hanging arch across the street. I am quite curios how long this will be the case. (Incidentally, this entire event had no further effects on us, apart from the blackout, which was temporary as power kicked in right away once the work was done.)

Something that is quite noticeable at our home are the variations of electricity in our power lines. That is something that one does not really know in Germany or the US. Here, electricity flow is not constant. Because of that we have stabilizers which are attached to bigger and more important machines like our ACs.

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Stabilizer

These are meant to support the work of the big machines. They also prevent these machines from breaking. Often these stabilizers are already built into the larger electrical devices – like fridges and so on – but not into all of them.

Now you may be asking yourself whether we notice these variations in electricity supply? And how? Yes, we do notice them. Close to our apartment, right across the street, there is a big water tower that provides our whole neighborhood with water. Once or twice a day water is pumped up into the tower. Such a pump needs a lot of electricity. When it starts to run, all our stabilizers kick in. That is noticeable by a clicking sound. Our lamps also always flicker a little bit. Sadly, these variations often prove fatal to our light bulbs. They just don’t survive that for a long time. This became almost a problem for us during the long lockdown period that India faced to slow down the Corona pandemic. One after the other of our bulbs died during that period.

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Water tower

Our living room, in which we have a lot of light spots in the ceiling, became more and more romantic (meaning: the light became dimmer and dimmer) and at one point almost completely dark. We were not able to get any new ones because they were not on the list of the essential things one could get during lockdown. Also, no electrician was able or allowed to come to our apartment and exchange the spots…lucky us (at least as far as the light situation is concerned) the lockdown was lifted before we were in complete darkness. Now, after the sun has set, we are again in full spotlight – at least until further notice! 😉

Dussehra

Mein heutiger Blogpost hat zum ersten Mal einen indischen Feiertag zum Thema. Vergangene Woche haben wir das Fest “Dussehra” mit unseren Nachbarn, Freunden und vielen Bewohnern unseres Viertels gefeiert.

20181019_154311Dem Dussehra-Fest gingen schon neun Tage Festivitäten voraus. Mich verwunderte diese groβe Festlichkeit zuerst, denn ich hatte gedacht, dass im Herbst alleine das indische Lichterfest Diwali besondere Feierlichkeiten beinhaltet. Aber schnell musste ich erkennen, dass es noch etwas anderes “Groβes” davor gibt. Selbst die Universität hatte anläβlich der Festtage eine Woche Ferien. Eigentlich fanden jeden Abend an den neun Tagen vor Dussehra in unsere Nachbarschaft Pujas statt. Zu Pujas, was das ist und wie man sie begehen kann, schreibe ich nochmals gesondert. Hier und jetzt übersetze ich es einfach mal als Ehrerweisungen, die in kleinen oder gröβeren Gruppen mit mehr oder weniger Pomp begangen werden.

Ich konnte also an den Abenden im Vorfeld von Dussehra schon Gesänge, Musik,

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Riesige Figuren

Getrommel und durchaus auch Feuerwerksgeböller hören. Und am Freitag Abend ging es dann zum Dussehra Park. Was mich dort erwartete, überraschte mich ebenso wie es mich auch erstaunte.

Im Park standen drei übermenschlich groβe Figuren, die aus Pappe, Papier oder Pappmache’ erstellt worden waren. Kustvoll gestaltet und bemalt in den schillernsten Farben. Hinter ihren Beinen konnte man getrocknete Palmwedel ausmachen.

SAMSUNG CAMERA PICTURESDiese Figuren standen hinter einer Absperrung. Vor der Absperrung war auf dem Grün des Dussehra-Parks ein enormes Auditorium entstanden. Unmengen von Stühlen standen in Reih und Glied und davor lagen grüne Teppiche am Boden, ebenfalls als Sitzmöglichkeit gedacht.

Als es allmählich ein bissel dämmerte, trafen kostümierte Schauspieler ein. Ich bin noch nicht wirklich gut in der indischen Mythologie und ich erkenne nur wenige Götter. Aber den Hanuman, den Gott in Affengestalt, den habe ich in jener Gruppe anhand seines braunen Felles und den affenartigen Schwanz erkannt. Nachdem alle Schauspieler sich auf der Bühne an der Seite des abgesperrten Teiles bzw. auf jenem abgesperrten Platz um die riesigen Pappfiguren eingefunden hatten, begann ein Schauspiel.

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Kinderschauspieler

Es wurde sich gejagt und bekämpft. Man konnte sehen, dass auch die vielen Kinderschauspieler enorm stolz, aufgeregt und erfreut waren, dass sie Teil dieser Aufführung waren. Auf der Bühne erzählten die Hauptfiguren mit sehr imposantem zum Teil sogar furchteinflöβendem Gebahren, die Geschichte, die sich hinter dem Fest Dussehra verbirgt.

Welche Geschichte ist das? Ich versuche es mal mit meinen eigenen Worten so wiederzugeben, wie ich es verstanden habe.

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Imposantes Getoese

Bei einer der Hauptfiguren der Geschichte handelt es sich um Ravana, einen Dämonenkönig. Er hat durch spirituelle Askese so viel spirituelle Energie und hitzige Kraft (Tapas) angehäuft, dass er damit die Götter herausfordert. Diese fühlen sich gestört und um ihren Frieden gebracht. Um diesen wiederherzustellen und ihre Ruhe zu haben, gewährt Brahma, der Schöpfer-Gott, Ravana einen Wunsch.

Dieser hat einen groβen Wunsch, denn er möchte unbesiegbar sein. Er wünscht sich, dass er nicht von Göttern, Dämonen oder Geistern besiegt werden kann. Auβerdem soll er am Tag wie auch in der Nacht bezwingbar sein. Dieser Wunsch wird ihm erfüllt. Er ist sich sicher, er hat bei seinem Wunsch an alles gedacht.

Im festen Glauben, dass er nun unbesiegbar ist, wird Ravana übermütig und entführt Sita, die Frau Ramas. Rama ist eine Inkarnation des Gottes Vishnu. Inkarnation heiβt soviel wie Fleischwerdung oder Menschwerdung.  Mit seiner unrechten Tat, der Entführung Sitas, wie auch durch seine Machtanhäufung, die er für Unrechtes nutzt, bringt Ravana das universale Gleichgewicht in Schieflage. Das Böse ist zu stark geworden. Dagegen muss vorgegangen werden, so dass alles wieder in Harmonie ist.

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Hanuman im Kampf

Das ruft Rama auf den Plan. Zum einen ist er persönlich betroffen, da seine Frau entführt wurde. Aber auch entscheidend: bei Rama handelt es sich auch um einen Menschen. Durch Ravanas völlige Selbstüberschätzung hat er in seinem Wunsch nach Unbesiegbarkeit zwar an Götter, Dämonen und Geister gedacht, aber die Menschen nicht mit einbezogen. So zieht Rama, unterstützt von Hanuman, in den Kampf gegen Ravana und besiegt jenen genau in dem Augenblick des Zwielichtes, also jenem Moment, in dem der Tag geht und die Nacht kommt, aber es noch nicht Nacht ist. Das Gute siegt über das Böse und das universale Gleichgewicht ist wieder hergestellt.

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Palmwedel in Brand

Der Sieg des Guten, das wird an Dussehra im Norden Indiens gefeiert. Und wie das gefeiert wird! Bei uns würde man sagen mit Pauken und Trompeten.  In meinem Beiwohnen wurde es hier mit Feuer, ohrenbetäubendem Lärm und vielen Feuerwerkskörpern bejubelt. So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Die getrockneten Palmwedel, die unter den riesigen Figuren standen, wurden angezündet. Sofort ging das Feuer über auf die Puppen selbst und ebenso augenblicklich standen sie völligst in Flammen. Ich vermute, dass da auch Brandbeschleuniger mit am Werk waren. Durch diese Flammenflut wurden sehr viele laute Feuerwerksknaller entzündet und gaben der Hitze- und Flammenwelle noch das entsprechend bedrohliche Lärmspektakel. Dieses hörbare, fühlbare und sichtbare Erlebnis war beeindruckend und furchteinflössend zugleich. Sehr imposant!

Natürlich. Der indische Sicherheitsstandard während dieser Festivität unterscheidet sich schon deutlich von dem deutschen, ganz zu schweigen von dem amerikanischen. In Deutschland hätten bestimmt einige Feuerwehrautos mit Löschtanks deneben gestanden, in den USA wäre so etwas wahrscheinlich erst gar nicht erlaubt gewesen. Es war also ein Wagnis, vor allem, wenn man in der ersten Reihe sitzt, aber ein Wagnis der besonderen Art! 😉

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Das Boese geht in Flammen auf

Bleibt abschlieβend noch die Frage zu beantworten, warum man nun eigentlich diese wunderhübchen Figuren ansteckt? Diese Puppen stellen Ravana, Kumbhkaran (Ravanas Bruder) und Meghnad (Ravanas ältesten Sohn) dar und symbolisieren somit das Böse. Indem sie in Flammen aufgehen, wird verdeutlich, dass das Böse bezwungen ist. Das Gute siegt.

In diesem Geiste verabschiede ich mir hier mit einem herzlichen “Namaste”!

Garbage

The next topic on this blog is kind of messy. It is about garbage. Here is one among the things that struck me most in my first days in India – in fact, I was kind of horrified about it – the immense amount of trash that was lying around everywhere. Shocking, I thought. I have to be honest. If something hits you like the garbage hit me, you can´t help seeing it all over the place – and all the time. In other words, in my first two weeks in 20180922_173421India, I saw trash everywhere. Now that I am getting used to it, my eyes are more open, as it were, and I can appreciate the beauty of this country as well. Indeed, I am able to see a range of places without garbage. Still, the huge amount of plastic waste is a big problem for India (as it is for the whole planet). Heaps of trash are piling up in many corners, trash floats on top of the rivers and is blown through the streets.

In the north of Delhi, there is an enormous mountain. Seen from a distance, it can remind one of Ayers Rock in Australia. When you get closer, however, you can see the many raptors wheeling above that mountain. And then you realize that this is not a mountain made of rocks, soil and grass. For soon enough, you detect the entire spectrum of colors used by the food industry for the designs of their wrapping materials.

Mount Trash

And then it hits you: this is a huge, an enormous mountain of trash. And of course, when it is sunny and hot—which is quite often the case in this area—you don’t just see that mountain, you smell it, too! In fact, “smell” is way too charitable an expression, “fetid stench” captures things much better.

What shocked me most was the fact that hundreds, if not thousands of people live in their houses, huts, or dwellings at the foot of that mountain, literally right next to it – even on it!  It was almost unbelievable for me, particularly on those days when that huge mountain was burning. I am not sure what caused the fires, whether they has been started on purpose or whether they were the result of some accident. Either way, because of all that plastic piling up there, the smoke was intense. Intensely smoky, intensely stinky and, I am pretty sure, also very poisonous. And yet, as I was passing by on the highway, sitting in the car, I could see people standing in the middle of these smoky billows.

Trash piled up

What were they doing there, I wondered? Working? Searching for food? Looking for anything useful? I do not know. But no doubt, it cannot be very healthy to be that close to that burning, smelly, stinky mountain of garbage, let alone to live there. I also know that I want to keep an eye on this topic, for it really is quite disconcerting.

Now a switch of topic from that huge mountain of trash to our private garbage, because the way our private garbage is being dealt with is also quite different from what we are used to from the U.S. or Germany. In Germany and in the U.S., there is an orange or white garbage truck that comes once a week to pick up the garbage that we put out on the curb.

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Cargo tricycle

This is not how things work here. Here, we put our black garbage bag in the hallway in front of our apartment door on the second floor. From there, it disappears quietly, at some point in the early morning, and will be dispatched by a big cargo bike (actually, it is more of a tricycle) and be brought to the nearest garbage container. Daily. And that is actually a good thing in this kind of climate. Because of the heat and the humidity, the garbage starts to smell rather fast. So I am really quite happy about that service, and happy that the trash is being picked up right in front of the door, so that I do not have to bring it down, or anywhere to some big smelly container. Every day! That’s great!

Maybe some of you will now suspect  that I am getting quite arrogant here. After all, you might think, instead of having someone do the dirty work for me, why wouldn’t I bring the trash to the container by myself?

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Trash container

This very much was my way of thinking in the beginning as well. But as a good Indian friend of mine explained to me, this is quite misguided, so he broke me out of the habit. Again, in the beginning, I found it quite hard to accept this kind of assistance here and there, especially because it often concerns things that one does not really like to do, stuff that requires one to get one’s hands dirty. But while we were talking about the poor living conditions on the street and the many instances of begging at intersections, my friend said something along the following lines: “If you really want to help, give people in your environment work, accept their offer to help, and pay them. That allows them to earn some money, provides them the possibility to feed their families, more or less, and they have something to do. That counts for a lot.  You can also offer them of your clean water or hand them something else that is needed. Acting like that helps a lot (and probably much more than handing a few rupees to the beggar on the street). You won’t change the Indian system in a trice, but you may actually change the life of these people for the better.” These words gave me pause. I am pretty sure this topic will come up again in this blog. It is a huge and difficult one, and I have to think about it a lot.

Back to our trash situation. A couple of weeks ago, we discovered a wonderful addition to our usual trash pick-up. We found a grass roots business that does recycling, and we are now part of a community called “One Step Greener”. This business was founded by two brothers at the age of eleven and fourteen. The two got angry about the pollution problems around them. And when one of the boys developed an illness that is partly caused by pollution, the recycling idea was born. Once we heard about it, we were hooked right away.

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To do recycling „the right way“

So now we separate plastic bottles, glass, cardboard, paper, and so on, like we used to do in Germany (and like we used to do, to some extent at least, in our former home town in the U.S). And now, the stuff we sort is being picked up twice a month and recycled. It is a little thing to do. Still, given that I grew up with a blue and a green and a grey trash bin, it makes me feel more at home. 😉 So far, this recycling system has only been implemented in five neighborhoods of New Delhi. Compared to the size of the city this is tiny, but it is a start, and it gives hope. I am also hoping for a fast growth. Fingers crossed.

For today I say goodbye with a warmest “Namaste”.

Müll

Das nächste Thema, dem ich mich widmen möchte, ist ein bissel weniger appetitlich. Es betrifft den Müll. Das war eines der ersten Dinge, die mich über Indien mehr als erschrecken lieβen. Der immense Abfall der überall irgendwo herumlag. Klar, ich sollte ehrlich sein. Wenn einem etwas ins Auge sticht, dann sieht man es auch immer und überall wieder.

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„Abfallsammelstelle“

Damit möchte ich sagen, dass ich in den ersten zwei Wochen in Indien wirklich an jedem Platz Müll habe herumliegen sehen. Jetzt, wo sich meine Augen auch den Schönheiten Indiens immer häufiger zuwenden können, da sehe ich auch zahlreiche Orte ohne Müll. Aber der enorme Plastikabfall ist ein Problem in Indien. In vielen Ecken sammelt er sich einfach an, er schwimmt in Flüssen und weht durch die Straβen.

 

Nördlich von Delhi befindet sich ein Riesenberg. Von weitem erinnert er an den Ayers Rock in Australien. Wenn man aber näher kommt, sieht man eine Vielzahl an groβen Greifvögeln, die darüber kreisen und man kann erkennen, dass es sich nicht um Stein, Fels oder bewachsenes Land handelt. Man kann die bunte Farbenvielfalt der Lebensmittelindustrie und ihre Verpackungsmaterialien ausmachen.

Mount Trash

Es ist ein riesiger, wirklich gigantischer Müllberg. Wenn es heiss und sonnig ist, dann nimmt nicht nur das Auge die ‘Farbenpracht’ wahr, sondern die Nase auch den Geruch. Der Ausdruck Geruch ist da fast schon zärtlich. Gestank trifft es wohl eher.

Was mich an diesem riesigen stinkenden Müllberg am meisten schockierte, sind die vielen hundert (oder gar tausenend) Menschen, die mit ihren Häusern, Hütten, Behausungen direkt am Fuβe des Berges leben. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Abfallungetüm. Und besonders unfassbar nahm ich dies an jenen Tagen auf, an denen dieser Berg Feuer gefangen hatte oder bewusst angezündet worden war. Ganz genau weiss ich das nicht. Durch das massenhafte Plastik, was sich dort türmte, war der Qualm des Berges intensiv. Intensiv qualmend, intensiv stinkend und sicher auch intensiv giftig. Trotzdem konnte ich vom Highway aus die Menschen inmitten dieser rauchenden Schwaden erkennen, die dort arbeiteten? Nach Essen wühlten? Hofften etwas Brauchbares zu finden? Ich weiss es nicht. Ich bin mir nur sicher, dass es nicht sehr gesund sein kann, sich dort in der Nähe des stinkenden, qualmenden Müllbergs aufzuhalten oder gar zu leben. Auch weiss ich: ich werde diesem Thema weiter nachgehen.

 

Nun von diesem riesigen Berg zu unserem privaten Müll, denn auch hierin unterscheidet sich die Müllabfuhr von dem uns Gewohnten. Während in Deutschland der Müll mit einem orangenen und in den USA mit einem weiβen Müllauto abgeholt wurde, stellen wir hier täglich unseren schwarzen Müllsack vor die Wohnungstür im zweiten Stock. Und irgendwann wird er still und heimlich von dort abgeholt und in einem groβen Lastenfahrrad, das eher einem groβen Dreirad gleicht, abtransportiert. Täglich. Das ist auch gut so, denn bei der Hitze und der Luftfeuchtigkeit hier fängt der Abfall besonders schnell zu riechen an. Und über den Luxus, dass ich den Müll nicht nach unten bringen muss, er stattdessen im zweiten Stock vor unserer Tür abgeholt wird, darüber freue ich mich. Das ist klasse.

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Das Muell – Fahrrad

Jetzt denkt vielleicht der ein oder andere: Wie versnobt ist das denn? Dieses Denken hat mir ein guter indischer Freund etwas abgewöhnt, denn ich hatte durchaus auch meine Probleme zu Beginn, diese vielen kleinen Hilfen, oft auch bei “unangenehmeren Arbeiten”, die man hier und dort angeboten bekommt, anzunehmen. Jener Freund sagte zu mir im Zusammenhang mit den vielen bettelnden Kindern oder Frauen an Kreuzungen: “Wenn Du wirklich ‘Entwicklungshilfe’ betreiben möchtest, helfen möchtest, dann gib Menschen eine Arbeit, nimm ihre Arbeit in Anspruch. So verdienen sie, können ihre Familien ernähren -mehr oder weniger gut-, haben eine Aufgabe. Das ist viel wert. Und Du kannst ihnen auch Dein “gutes” Wasser zu trinken geben oder mal etwas anderes Gutes zukommen lassen. Das hilft mehr. Das indische System wirst Du nicht so schnell verändern, aber vielleicht das Leben dieser wenigen Menschen.” Diese Worte gaben mir zu denken. Dieses Thema wird sicher immer wieder in meinem Blog auftauchen, denn das ist gross und gibt mir immer wieder sehr viele Denkaufgaben. Aber jetzt noch einmal zurück zu unserem Müll.

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Muelltrennung

Als wunderbare Ergänzung zur “normalen” Müllabholung sind wir vor wenigen Wochen auf ein wunderbares “grass root Unternehmen” gestoβen und nun Mitglieder in der Recycling community “One step greener”. Dieses System wurde von zwei Brüdern im Alter von elf und 14 Jahren entwickelt und begründet. Diese beiden Jungs wurden wütend und entsetzten sich ebenfalls über das Müllproblem um sie herum. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme eines der beiden Jungen, die sich auf Umweltfaktoren zurückführen lieβen und schon wurde die Recyclingidee geboren. Als wir davon erfuhren, waren wir sofort Feuer und Flamme.

Jetzt sortieren wir also nach gut deutscher Manier Pappe, Plastikflaschen, Glas, Papier, Elektroschrott und einiges mehr aus dem Müll heraus. Das Aussortierte wird zweimal im Monat bei uns zu Hause abgeholt und recyclet. Da fühlt man sich doch gleich ein bisschen heimischer als mit gelbem Sack, grüner, blauer und schwarzer Tonne oder gar mit Kompost Sozialisierter. 😉 Dieses Recyclingsystem wird erst einmal nur in fünf Vierteln Neu Delhis angeboten. Verglichen mit der Gesamtgröβe Delhis ist es winzig. Somit lässt sich festhalten: auf dem Gebiet des Müllrecycling sehe ich noch “ein weites Feld”, aber ein Anfang ist gemacht und ich hoffe auf ganz schnelles Wachstum.

Für heute verabschiede ich mich an dieser Stelle wieder mit einem herzlichen “Namaste”. Bis bald!

Shopping the Indian way

There is one thing about India that is really different. Different compared to both Germany and the U.S. If you want to get your groceries in the U.S., then you just go to T*a*e* J*e’* or to G*a*t E*g*e and maybe to T*r*e* for some special items (similarly in Germany with other stores). Once you have been to all of the above you will be all set for a week for sure. With everything. With groceries, cleaning supplies, hygienic stuff or whatever else you need to survive. AND you know upfront, that you will indeed get (almost) everything. This is not the case in India. Here, you go to a ‘market’. These may be called “DDA-Market” or “C-Block-Market” or something like that. But if you imagine any kind of supermarket or a big store, you are completely wrong. Such a “market” is more like a place with a lot of different really tiny little shops. What kind of shops? This is not necessarily obvious. You have to find out.

A little shoe store located on the sidewalk

The combination of shops is always different. In some markets, some shops will provide food, others kitchen or household supplies (very rarely, if ever, together in one shop), some of them just sell fruit or just vegetables, or just dairy like milk, cheese and yoghurt. But sometimes, a market can also be just an accumulation of various hardware shops. This formation would then be the H*m* D*p*t of India.

Ladders and other hardware supplies

Every of these “markets” has its own combination, its own structure, and one has to know exactly what to find where. Trying to find this out can be extremely interesting and exciting. But it also takes a lot of time. You may have to check out each and every shop. To get everything for the week, you will have to hop from one little shop to another. And that can take a while.

It is also possible that though you cannot see a particular item in a given shop, they will have it anyway.  Having an orderly arrangement is neither common nor, apparently, perceived as required. Furthermore, these shops are all very small and it is not easy to have all these things arranged nicely and orderly. Just to have an idea: those shops often have the size of a small bathroom, perhaps the size of a casual corner store. Not bigger. Even fancier shops are not bigger or better arranged. They just have more stuff.

Recently, I went to a somewhat trendier household supply store. All the different items were piled up, way up to the ceiling. There were just two small pathways through the store. Passing another person in fact turned into a kind of teambuilding exercise (regardless of whether or not you would want to form a team with the other customers). LOL!

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Another shoe store many boxes with thousand boxes

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This „arrangement“ makes it sometimes hard to find what you are looking for

At any rate, in this shop, I kept asking for this and that. Amazingly, I never got a ‘no’ for an answer. It was always: “Just a second!” Right away someone started to rummage in the piles and somewhere out of any secret hiding place he got what I had asked for. That was not too difficult for me in that particular shop, because the staff were able to understand and speak English. In contrast, it is still kind of challenging for me to find what I am looking for in a small shop around the corner. My Hindi, let’s put it this way, leaves a lot of room for improvement. Sometimes it is really exhausting to hop from shop to shop trying to use gestures and pantomime to get all the things I am looking for. In such moments, I miss my good old German or American stores, where I can rush through with my shopping cart and after 20-30 minutes I have everything I came for.

If you are far away from home, you appreciate the things that you do not see as special because they seem so ordinary to you. At any rate, you might not see those things at anything special.

So if next time you go shopping, you may take a moment to appreciate how easy your shopping experience is (if you are not in India and have this excitement anyway). And if you want a taste of what shopping here is like, pay a visit to your local Indian or Middle Eastern supermarket. Often, they are much more crammed than an ordinary supermarket. And who knows, perhaps you will find that occasionally, checking out the various things that are tucked and hidden away in various corners can be quite interesting!

For today I say goodbye with a warmest „Namaste“!