Müll

Das nächste Thema, dem ich mich widmen möchte, ist ein bissel weniger appetitlich. Es betrifft den Müll. Das war eines der ersten Dinge, die mich über Indien mehr als erschrecken lieβen. Der immense Abfall der überall irgendwo herumlag. Klar, ich sollte ehrlich sein. Wenn einem etwas ins Auge sticht, dann sieht man es auch immer und überall wieder.

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„Abfallsammelstelle“

Damit möchte ich sagen, dass ich in den ersten zwei Wochen in Indien wirklich an jedem Platz Müll habe herumliegen sehen. Jetzt, wo sich meine Augen auch den Schönheiten Indiens immer häufiger zuwenden können, da sehe ich auch zahlreiche Orte ohne Müll. Aber der enorme Plastikabfall ist ein Problem in Indien. In vielen Ecken sammelt er sich einfach an, er schwimmt in Flüssen und weht durch die Straβen.

 

Nördlich von Delhi befindet sich ein Riesenberg. Von weitem erinnert er an den Ayers Rock in Australien. Wenn man aber näher kommt, sieht man eine Vielzahl an groβen Greifvögeln, die darüber kreisen und man kann erkennen, dass es sich nicht um Stein, Fels oder bewachsenes Land handelt. Man kann die bunte Farbenvielfalt der Lebensmittelindustrie und ihre Verpackungsmaterialien ausmachen.

Mount Trash

Es ist ein riesiger, wirklich gigantischer Müllberg. Wenn es heiss und sonnig ist, dann nimmt nicht nur das Auge die ‘Farbenpracht’ wahr, sondern die Nase auch den Geruch. Der Ausdruck Geruch ist da fast schon zärtlich. Gestank trifft es wohl eher.

Was mich an diesem riesigen stinkenden Müllberg am meisten schockierte, sind die vielen hundert (oder gar tausenend) Menschen, die mit ihren Häusern, Hütten, Behausungen direkt am Fuβe des Berges leben. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Abfallungetüm. Und besonders unfassbar nahm ich dies an jenen Tagen auf, an denen dieser Berg Feuer gefangen hatte oder bewusst angezündet worden war. Ganz genau weiss ich das nicht. Durch das massenhafte Plastik, was sich dort türmte, war der Qualm des Berges intensiv. Intensiv qualmend, intensiv stinkend und sicher auch intensiv giftig. Trotzdem konnte ich vom Highway aus die Menschen inmitten dieser rauchenden Schwaden erkennen, die dort arbeiteten? Nach Essen wühlten? Hofften etwas Brauchbares zu finden? Ich weiss es nicht. Ich bin mir nur sicher, dass es nicht sehr gesund sein kann, sich dort in der Nähe des stinkenden, qualmenden Müllbergs aufzuhalten oder gar zu leben. Auch weiss ich: ich werde diesem Thema weiter nachgehen.

 

Nun von diesem riesigen Berg zu unserem privaten Müll, denn auch hierin unterscheidet sich die Müllabfuhr von dem uns Gewohnten. Während in Deutschland der Müll mit einem orangenen und in den USA mit einem weiβen Müllauto abgeholt wurde, stellen wir hier täglich unseren schwarzen Müllsack vor die Wohnungstür im zweiten Stock. Und irgendwann wird er still und heimlich von dort abgeholt und in einem groβen Lastenfahrrad, das eher einem groβen Dreirad gleicht, abtransportiert. Täglich. Das ist auch gut so, denn bei der Hitze und der Luftfeuchtigkeit hier fängt der Abfall besonders schnell zu riechen an. Und über den Luxus, dass ich den Müll nicht nach unten bringen muss, er stattdessen im zweiten Stock vor unserer Tür abgeholt wird, darüber freue ich mich. Das ist klasse.

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Das Muell – Fahrrad

Jetzt denkt vielleicht der ein oder andere: Wie versnobt ist das denn? Dieses Denken hat mir ein guter indischer Freund etwas abgewöhnt, denn ich hatte durchaus auch meine Probleme zu Beginn, diese vielen kleinen Hilfen, oft auch bei “unangenehmeren Arbeiten”, die man hier und dort angeboten bekommt, anzunehmen. Jener Freund sagte zu mir im Zusammenhang mit den vielen bettelnden Kindern oder Frauen an Kreuzungen: “Wenn Du wirklich ‘Entwicklungshilfe’ betreiben möchtest, helfen möchtest, dann gib Menschen eine Arbeit, nimm ihre Arbeit in Anspruch. So verdienen sie, können ihre Familien ernähren -mehr oder weniger gut-, haben eine Aufgabe. Das ist viel wert. Und Du kannst ihnen auch Dein “gutes” Wasser zu trinken geben oder mal etwas anderes Gutes zukommen lassen. Das hilft mehr. Das indische System wirst Du nicht so schnell verändern, aber vielleicht das Leben dieser wenigen Menschen.” Diese Worte gaben mir zu denken. Dieses Thema wird sicher immer wieder in meinem Blog auftauchen, denn das ist gross und gibt mir immer wieder sehr viele Denkaufgaben. Aber jetzt noch einmal zurück zu unserem Müll.

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Muelltrennung

Als wunderbare Ergänzung zur “normalen” Müllabholung sind wir vor wenigen Wochen auf ein wunderbares “grass root Unternehmen” gestoβen und nun Mitglieder in der Recycling community “One step greener”. Dieses System wurde von zwei Brüdern im Alter von elf und 14 Jahren entwickelt und begründet. Diese beiden Jungs wurden wütend und entsetzten sich ebenfalls über das Müllproblem um sie herum. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme eines der beiden Jungen, die sich auf Umweltfaktoren zurückführen lieβen und schon wurde die Recyclingidee geboren. Als wir davon erfuhren, waren wir sofort Feuer und Flamme.

Jetzt sortieren wir also nach gut deutscher Manier Pappe, Plastikflaschen, Glas, Papier, Elektroschrott und einiges mehr aus dem Müll heraus. Das Aussortierte wird zweimal im Monat bei uns zu Hause abgeholt und recyclet. Da fühlt man sich doch gleich ein bisschen heimischer als mit gelbem Sack, grüner, blauer und schwarzer Tonne oder gar mit Kompost Sozialisierter. 😉 Dieses Recyclingsystem wird erst einmal nur in fünf Vierteln Neu Delhis angeboten. Verglichen mit der Gesamtgröβe Delhis ist es winzig. Somit lässt sich festhalten: auf dem Gebiet des Müllrecycling sehe ich noch “ein weites Feld”, aber ein Anfang ist gemacht und ich hoffe auf ganz schnelles Wachstum.

Für heute verabschiede ich mich an dieser Stelle wieder mit einem herzlichen “Namaste”. Bis bald!

Ein Kommentar zu „Müll

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